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Amorphis: The Beginning Of Times

Stil: Melancholic Metal

Cover: Amorphis: The Beginning Of Times

Der Weg vom fast reinen Death-Metal-Act der Anfangstage über die Experimentalphase bis hin zum melancholischen Stil, der durch den Einstieg von Neu-Sänger Tomi Joutsen gefunden und perfektioniert wurde, war ein harter für AMORPHIS. Konstanter Wegbegleiter seit Bandgründung: Die Kritik von beleidigten Fangruppierungen, die entweder mit dem Stilwechsel („Büäh! Kein Death Metal mehr! Schrott!“), dem Weglassen von Experimenten („Büäh! Keine Experimente mehr! Schrott!“) oder der scheinbaren Stagnation der letzten drei Scheiben („Büäh! Klingt alles gleich! Schrott!“) nicht zufrieden waren.

All denen, die den relativ gleichförmigen „Eclipse“, „Silent Waters“ und „Skyforger“ etwas abgewinnen konnten, dürfen jedenfalls auch bei „The Beginning of Times“, dem bereits zehnten Studioalbum der Finnen, bedenkenlos zugreifen, denn die Erfolgsformel – Melodien, Melancholie, Metal – wird im Vergleich zu den Vorgängeralben nur minimal abgeändert.

Auch auf seinem vierten Album zeigt sich dabei Sänger Tomi Joutsen als wahrer Glücksfall für die Band. Er ist es, der mit seinem variablen Organ - mal schmeichelnd, mal kraftvoll wie ein klassischer Metal-Shouter, mal growlend – der Band neue Türen geöffnet hat. Gut, die Band ist schon auf „Eclipse“ selbstbewusst durch diese Türen gestiefelt, und weitere Türen blieben seit 2006 im Grunde genommen auch verschlossen, doch von Abnutzungserscheinungen ist bei AMORPHIS erfreulicherweise immer noch nichts zu spüren.

Der Anteil an Death-Metal-Growls wurde auf „The Beginning Of Times“ dezent aufgestockt, ohne dass das Album eine Rückkehr zu alten Zeiten bedeuten würde. Nein, noch immer überwiegen die harmonischen Momente, die großartigen Gesangslinien von Joutsen, die Gitarrenharmonien von Esa Holopainen, die stets präsenten, aber selten im Vordergrund stehenden Keyboardsounds von Santeri Kallio.

Auch wenn beispielsweise ein Song wie „My Enemy“ über relativ viele Growls verfügt, auch im Riffbereich einige harsche Moment bereithält, so verlässt er doch nie seinen roten Faden, kehrt er immer wieder zu einer angenehm wohligen, melancholischen Stimmung zurück.

Am vorab veröffentlichten Song „You I Need“ hatten Internet-Schlaumeier natürlich auch wieder jede Menge zu nölen, „poppige Melodie“, „Schlager“ und andere Schmähungen gab es in entsprechenden Foren zu lesen. Was – muss man es überhaupt explizit erwähnen? – natürlich bodenloser Blödsinn ist. Klar, „You I Need“ bricht keine Härterekorde (muss es das?), passt aber als Abrundung des Bandsounds in Richtung sanfte Töne absolut ins Gesamtbild. Ja, auch die kurzzeitig zu hörende Trällerelse geht in Ordnung. Ebenso wie die hin und wieder eingestreuten Flöten oder andere Instrumente. Und wer solche Hits wie „Three Words“ an Bord hat, der macht eh alles richtig.

FAZIT: Weiterentwicklung nur in homöopathischen Dosierungen – wer damit ein Problem hat, muss eben etwas anderes hören. Vielleicht Paradise Lost zu "Host"-Zeiten? Wer jedenfalls die drei Vorgänger liebt, wird auch „The Beginning Of Times“ lieben. Welches der vier Joutsen-Alben jetzt das beste ist, entscheidet der persönliche Geschmack. Der Rezensent legt sich fest: Mit knappem Vorsprung geht „The Beginning of Times“ vor „Eclipse“ ins Ziel.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.05.2011

Tracklist

  1. Battle For Light
  2. Mermaid
  3. My Enemy
  4. You I Need
  5. Song Of The Sage
  6. Three Words
  7. Reformation
  8. Soothsayer
  9. On A Stranded Shore
  10. Escape
  11. Crack In A Stone
  12. Beginning Of Time

Besetzung

  • Bass

    Niclas Etelävuori

  • Gesang

    Tomi Joutsen

  • Gitarre

    Esa Holopainen, Tomi Koivusaari

  • Keys

    Santeri Kallio

  • Schlagzeug

    Jan Rechberger

Sonstiges

  • Label

    Nuclear Blast

  • Spieldauer

    54:42

  • Erscheinungsdatum

    27.05.2011

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