Dass wir es hier nicht mit räudigen Schwermetallern zu tun haben, lässt schon der 'mädchenhafte' Bandname vermuten. Nicht ganz unerwartet handelt es dann bei ANGELINE auch um eine weitere AOR-Truppe aus Schweden.
Das zweite Album der ehemaligen Coverband glänzt nicht nur buchstäblich mit seinem unbefleckten Sound, sondern setzt auch voll auf äußerst eingängiges Material. Kleine Hookline-Wunder wie "When The Lights Go Down" oder "Take A Little Time" - eigentlich könnte man an dieser Stelle fast alle Songs aufzählen - sind zwar nicht sonderlich originell, erfüllen aber komplett die ans Genre gestellten Anforderungen. In den besten Momenten ("Falling Into You", "Disconnected", "In Times Like These") klingt das Quartett dabei verschärft nach HAREM SACREM. Dieser Bandname steht sogar im Promo-Schreiben, welches ich allerdings erst nach dieser Feststellung gelesen habe (ich schwör!), was als Beleg dienen soll, dass die Parallelen als mehr als nur marginal zu bezeichnen sind. Es sind speziell die Gesangharmonien, die stark an die verblichenen Kanadier um Harry Hess erinnern. Dass der genannte Titelsong im Refrain (und bei einem Soundeffekt) ebenfalls ein paar Ähnlichkeiten zu BON JOVIs "Livin On A Prayer" aufweist, sei da nur am Rande erwähnt. Ach ja: Wer heute gerne noch die alten Scheiben von BRYAN ADAMS auflegt, wird mit einer Nummer wie "Found" ebenfalls mit offenen Armen im Kreise von ANGELINEs Familie aufgenommen.
In dem Promo-Schreiben steht übrigens auch was von AIRBOURNE und BULLET - was wiederum völliger Quatsch ist. Wenn auch die Gitarre gelegentlich etwas kräftiger bearbeitet wird ("I Had Enough", "Run Run Run"), setzen ANGELINE rundum und ausschließlich auf die melodische Schiene. Und das machen sie wirklich ziemlich gut, die Songs bleiben hängen, ohne dass der Kitschfaktor zu groß wird. Selbst dass mir "If It’s The Last Thing I Do" irgendwie eine Christmas-Schnulze ins Gedächtnis drückt, schiebe ich mal auf die bereits eingesetzten Gräuel-Gedanken hinsichtlich der bevorstehenden Weihnachtseinkäufe. Als Ausgleich wird mit den überraschend modern ausgefallenen "First Time Around" und "Way Down" zum Abschluss ja auch noch mal härter gerockt.
FAZIT: Sehr eingängiger, aber durchaus nachhaltiger AOR. Und wer immer noch auf der Suche nach einem Ersatz für HAREM SCAREM ist, könnte mit ANGELINE eine neue Liebe finden.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.12.2011
Uffe Nilsson
Jocke Nilsson
Janne Arkegren, Jocke Nilsson
Tobbe Jonsson
Tobbe Jonsson (Percussion)
Avenue Of Allies
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09.12.2011