Ihr habt es satt, Pop mit harten Gitarren als ideale Verquickung von Metal und Hardcore angedreht zu bekommen? Gleichwohl: Auch nach dem Genuss von ANGER MANAGEMENTs Kurzspieler muss man zum Zahnarzt, allerdings nicht wegen Karies durch latente Überzuckerung, sondern weil die Band ein neues Gebiss notwendig gemacht hat. Stichwort: Fehlende Zähne …
"Beyond the Threshold of Pain" erinnert an das Debüt von THE HAUNTED und speziell in den rasenden Passagen OVERKILL während ihrer unbarmherzigsten Momente. Kurz gefasst versprühen ANGER MANAGEMENT also die rohe Energie des Thrash mit einem gehörigen Schlag Punk beziehungsweise Hardcore obendrauf.
Breakdown. Die gewollt melodischen Gesänge orientieren sich sehr stark an Phil Anselmo, was neben dem Opener vor allem "Fear and Self Loathing" offenbart, ein fast-Abklatsch von PANTERA. Die Riffkelle beherrschen ANGER MANAGEMENT gut; allein mit der Darrellschen Virtuosität ist es nicht ganz so weit her, doch generell stimmt das Songwriting der nicht mehr ganz blutjungen Musiker. "Show Your Anger" darf mit seinen flinken, unwirschen Solos, etwas Gegrunze, Screams und Gangshouts nebst fies doomigem Ende as Anspieltipp genannt werden.
Besser wird es mit dem etwas gediegeneren "Eyes of the Lifeless" nicht mehr, wiewohl abwechslungsreicher und mantrisch in der Art, wie ANGER MANAGEMENT das Hauptriff des Liedes fortwährend wiederholen. Zusätzlich macht die maximal ausgereizte Stimmvariation die Gruppe deutlich wiedererkennbar. Grobmotorikern gilt "Beyond the Threshold of Pain" damit dick auf die Stulle geschmiert.
FAZIT: Falls noch wer mehr vom alten Hart-Zart-Schema braucht, so sollte er sich anderweitig umschauen. ANGER MANAGEMENT zeichnen sich indes als brandgefährlicher Überschall-Thrash-Newcomer aus, der bitte noch den Rockfaktor in die Höhe und die groovigen Passagen herunterschraubt; wer braucht schließlich Midtempo?
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.02.2011
Shaun Jeffries
Matt Cox
Will Lavis, Jon Minnet
Jamie Airns
Three Piece Recordings
18:17
11.02.2011