Jede Wette hätte ich gehalten, jede Wette: Dass „Miracle“, das Debüt des ANI LO. PROJEKTs eine Schäbi-Metal-Scheibe allerhöchster Kajüte ist, die sogar der legendären Sammlung schlechten Geschmacks von Die-Ärzte-Drummer Bela B. zur Ehre gereicht hätte. Gut, dass ich nicht gewettet habe: Die Vermutung hat nämlich mit der Realität überhaupt nichts zu tun.
Stattdessen handelt es sich beim ANI LO. PROJEKT um eine deutsch-bulgarische Band, die auf ihrer ersten CD einen tollen Mix aus Prog Metal, Hardrock, Symphonic Metal und Gothic Metal zelebriert. Die Beschreibung klingt schräg? Ach was. Sängerin Ani Lozanova hat eine fantastische Stimme, setzt diese facettenreich ein und lässt sich so zu keiner Zeit limitieren. Mal liefert sie eine astreine Rock-Performance ein, dann klingt sie wie auf einem Nightwish-Vorstellungs-Gespräch Mitte der 90er Jahre, um kurz danach mit sanften, balladesken Tönen dem Ohr zu schmeicheln. Stark klingt sie zu jeder Zeit, und genau so sicher trifft sie auch absolut jeden Ton.
Nur gut, dass ihre Mitmusiker Schritt halten können. Lana Lane, Elegy (deren Sänger Ian Perry hat „Miracle“ produziert und gleich einige Songs dafür geschrieben), Nightwish, Vanden Plas – die Liste der Einflüsse ist lang, hier nur unzureichend wiedergegeben und passt auch nur auf den ersten Blick nicht zusammen. In der Realität ist „Miracle“ tatsächlich nahe dran, den Titel auch vom Anspruch her umzusetzen. Nette Besonderheit: Das Cover von Michael Jacksons „Give In To Me“, das einerseits komplett anders als das Original interpretiert wird (warum macht man sonst auch eine Coverversion?), sich aber dadurch eins-zu-eins in den Bandsound einfügt.
FAZIT: Ein tolles Debüt, in das jeder reinhören sollte, der progressive Töne mag, symphonischen Einschüben nicht abgeneigt ist, Gothic-Sprengsel verkraftet – und als verbindendes Element den Hardrock liebt. Bitte mehr davon, ANI LO.!
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.04.2011
Straho
Ani Lo.
Vlado
Kalin
Kossy D.
Dust On The Tracks
50:33
25.03.2011