Anfang der 90er Jahre wäre "Guardian At The Gate", das dritte Album von ARCTIC FLAME, wahrscheinlich euphorisch aufgenommen worden. Klischeefreier, treibender US-Metal war seinerzeit eher selten zu bekommen, so dass die dürstende Fangemeinde jeden einigermaßen akzeptablen Release orgiastisch feiernd in die heimische Anlage schmiss. Im Jahre 2011 ist das allerdings anders: Die Konkurrenz ist groß, und die Konkurrenz hat deutlich bessere Alben im Gepäck als "Guardian At The Gate".
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Der Vierer aus New Jersey macht seine Sache keinesfalls schlecht. Die Gitarren klingen zwar nicht ganz so knackig und zackig, wie man das gerne möchte, doch die Licks und Melodien, die Sebastian Garcia aus den sechs Saiten rausholt, können sich sehen lassen. Hier und da werden Anleihen bei den alten IRON MAIDEN deutlich, hin und wieder meint man auch, eine klassische amerikanische Metal-Band wie ICED EARTH rauszuhören, und auch vor progressiven Klängen - die Standard-Verweis-Combo kann sich an dieser Stelle jeder selber denken - schreckt man nicht zurück.
Das klingt in der Theorie prima, an der Umsetzung hapert es aber doch, und zwar aus zweierlei Gründen. Zum einen hat man den einen oder anderen Stolperer im Songwriting zu verzeichnen. Das bewirkt, dass der Hörer stellenweise über suspekt und schräg tönende Rhythmiken grübelt - ohne auf des Rätsels Lösung zu kommen. Und, der noch schwerwiegendere Grund: Sänger Michael Clayton-Moore, der erstmals auf einem ARCTIC-FLAME-Release für die Vocals zuständig ist, singt merkwürdig ausdrucks- und emotionslos. Zwar wird der geneigte Kauz-Metal-Fan vermutlich angesichts der nasalen Stimmlage des Frontmanns aufhorchen, doch für mich fehlen hier Emotionen und Variabilität. Der Opener, der Titeltrack oder das lange "The Eternal" sind gutklassige US-Metal-Songs, doch es ist schon bezeichnend, dass das beste Stück auf dem Album - "Falkenfels" - ein Instrumental ist.
FAZIT: Die grundlegenden Zutaten für "Guardian At The Gate" stimmen, doch die Band macht leider zu wenig daraus. Entweder feilt Vokalist Michael Clayton-Moore an seinen stimmlichen Fähigkeiten und legt sich auch mal eine zweite Stimmlage zu, oder die Band muss sich ein zweites Mal nach einem neuen Frontmann umschauen.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.07.2011
Jon Norberg
Michael Clayton-Moore
Sebastian Garcia
Mike Paradine
Pure Steel Records
49:36
29.07.2011