Blutjung und Post-Hardcore - ARISTILLUS aus Norwegen dienen sich der Klientel von neueren, kompakteren ISIS an. Auch die verblichenen J.R. EWING klingen ob der anhaltenden Poppigkeit auf "Devoured Trees & Crystal Skies" an, doch wie alright sind diese Kids abseits der Assoziationen, die sie wecken?
Nun, zunächst einmal klingen sie angenehm überschaubar und haben sich einen luftigeren Sound zusammenzimmern lassen, der Transparenz mit Hinblick auf die verschiedenen Instrumente zulässt und die variablen Vocals angemessen präsentiert, welche gleichwohl nicht vom stiltreuen Standard abweichen: Brüllkreisch nebst melodiöser Spitzen zwischendurch. Nach zwei recht unauffälligen Dosenöffnern gelingt erst mit "Incomparable Tree" der Griff ins Weite. Neben den bedächtigen Gesangsarrangements überzeugt hier der dynamische Aufbau zum fast schon zu rasch erfolgenden Ende. "Bury The City Lights" mag man sich als Ohrenkino vorstellen - akustischer Deckel sozusagen auf die allzu hell leuchtenden Metropolen der Welt bei Nacht. So unüblich für ihre Zunft die Combo bisweilen komponiert, so vermessen findet der Rezensent jedoch die angeführten Vergleiche mit SONIC YOUTH und HÜSKER DÜ, denn so poppig wie Bob Mould muss in diesem Leben selbst ein Dave Grohl noch werden, aber wie dem auch sei … "Circles" besticht als beste Gesangsleistung und geht fast als kratziger Indierock durch, zumal die Jungs mehr können als nur leutselig zu schrammeln.
"Colour The Hope" tönt dann fast zu hysterisch, wiewohl man immer wieder die Kurve hin zum erfreulich kurzem Atem kriegt, denn immerhin schafft es keiner der Tracks auf fünf Minuten. "Exit, Evolve" versprüht Katerstimmung, "When The Flower Grows" Aufbegehren, und nach dem emotional ambivalenten Abschluss "W.S.T.F.O" ist man sich auch als nicht-Genrefan sicher, eine der besseren Bands zwischen windschiefem Haarschnitt und Fleischtunnel durch die Gitarrengebirge gen Weltuntergang zugehört zu haben. Da wächst was …
FAZIT: ARISTILLUS empfehlen sich mit ihrem Debüt als blutjunge Anlaufstelle für diejenigen, die sich von viel zu kalorienhaltigen und dennoch wenig nahrhaften Postapokalyptikern vergraulen ließen. Einiges an Hardcore, noch mehr Songwriting-Gespür und wenig juveniler Zerstreuung geschuldete Redundanz werfen sie in die Wagschale; gehoben und für schwer genug befunden.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.05.2011
Simen Schikulski
Simon Bergseth
Simon Bergseth, Håkon Ross
Simon Bergseth
Magnus Steffensen
Fysisk Format / Cargo
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13.05.2011