In ihrer amerikanischen Heimat wurden ATHEM unlängst als „die Enkel von Yes“ bezeichnet. Mag sein. Definitiv aber sind ATHEM die Nachbarn von Dream Theater. Beziehungsweise, Untermieter. Denn das, was das Nachwuchsensemble auf dem Debüt „The Extended Mind“ abliefert, würde auch manches Album des Traumtheaters aufwerten.
Der Opener „Fallen God“ könnte, insbesondere auch durch den Gesang von Will Shaw, auf „When Dream And Day Unite“ stehen, manch andere Passage erinnert fatal an „Scenes From A Memory“. Es gibt schlechtere Referenzen.
Das Quintett beschränkt sich aber keinesfalls auf das reine Kopieren bekannter Songschemata. Viele Ideen, die besonders der Gitarre von Shawn Baldissero entspringen, zeigen, dass die Band auch eigene Akzente setzen kann. Melodische Passagen finden sich genau so wie hektische Frickeleien, die nur selten das Nervenkostüm des Hörers strapazieren (bei „Enigmatic Reverie“ wollte man anscheinend zu viel auf einmal) , bombastische Parts lassen das Herz ebenso aufgehen wie sanfte, nachdenkliche Pianoklänge.
Und bei aller hemmungslos zur Schau gestellten musikalischen Fähigkeit: Die Band versteht es, auf den Punkt zu kommen, schafft es, nachvollziehbare Melodien zu schreiben, bleibt aber bei aller vorhandenen Eingängigkeit meilenweit vom cheesigen Popmetal entfernt. Wer einmal den Schlusspart von „Fallen God“ gehört hat, bei dem Gitarrenharmonien dem Ohr schmeicheln, der weiß, was gemeint ist.
FAZIT: Die US-Kritiker überschlagen sich fast mit ihren Lobeshymnen auf die Band aus New Jersey. Klar: Ein bisschen Lokalpatrotismus muss man abziehen, aber ein "gut" verdient sich diese Scheibe auf alle Fälle. Prog-Metal-Fans sollten hier zuschlagen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.03.2011
Mike Haas
Will Shaw
Shawn Baldissero, Louis Vasile
Alex Gonzalez
Spectastral Records
66:25
25.02.2011