Auf ihrer zweiten Langrille gehen die Hann. Mündener AUGEN AUF laut Selbstwahrnehmung einen Schritt weg vom verkopften Punkrock hin zu mehr Indie, also dorthin, wo zahlreiche andere „lautere“ Bands ebenfalls ihr neues musikalisches Zuhause gefunden haben.
Leider zählt dieser Vierer zu der eher drögeren Sorte der Neo-Indie-Zunft, denn weder stilistisch noch kompositorisch will „Hier und nicht in Hollywood“ einen bewegenden Impuls aussenden, die Songs werden – mit standardisierten Schablonen gezeichnet – fast schon uninspiriert und gelangweilt vorgetragen. Klar, das klingt fast wie eine Unterstellung, aber es wirkt nach außen hin so. Und das ist schade, denn in textlicher Hinsicht sind AUGEN AUF so einigen Landsmännern überlegen.
Die – aus Subjektivem wahrgenommene – innere Gebremstheit des Quartetts hätte mit einer peppigeren Produktion etwas übertüncht werden können, doch der etwas blutarme, flache Sound betont eher das Dahinplätschern der dreizehn Tracks, und so fällt es fast schon schwer, bis zum Albumende durchzuhalten. Die letzte verbleibende körperliche Reaktion auf das Dargebotene bleibt der nervös gen Skiptaste zuckende Zeigefinger.
FAZIT: Deutschsprachige Musik. Indie. Beides feine Dinge, wenn man weiß, wie man sie einsetzt. AUGEN AUF haben diesbezüglich noch einige notwendige Lektionen vor sich. Wem TOCOTRONIC zu möchtegerncool und die SPORTFREUNDE STILLER zu quäkig sind, und wem Punkrock einen Ticken zu derb ist, der kann hier durchaus mal reinhören. Erwarten sollte man allerdings nicht allzu viel.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.12.2011
Steffen
Christoph, Manu
Christoph, Manu
Jens
Klangapartment
43:49
30.09.2011