Wer das Label Denovali Records kennt, der weiß, dass man es mit außergewöhnlicher Musik zu tun hat, wenn die kleine deutsche Firma ein Album veröffentlicht. So verhält es sich auch mit AUN, deren neues Album "Phantom Ghost" ein schwer zugängliches Werk zwischen Ambient, Drone und Noise geworden ist. Das verschwommene Artwork passt dabei perfekt zum Albumtitel und in seiner Undifferenziertheit auch zur Musik.
Auf acht Tracks (einer davon wird nicht auf der CD benannt) erwarten den Hörer extrem sphärische Sounds, die mitunter sehr einlullend wirken. Interessant dabei ist, dass die oft in hellen Tonlagen erklingenden Klangteppiche dabei eine entspannende Natürlichkeit vortäuschen, die aber umgehend von Verzerrung und Störgeräuschen egalisiert wird. So entstehen dichte, repetitive Ambientlandschaften, die aber von noisigen Untertönen durchzogen sind. Der Gesamtsound ist dabei sehr trocken und driftet nur gelegentlich in massiven Drone ab. Manch einer wird hier nicht mehr von Musik sprechen wollen und es ist nicht einfach, eine solche Ansicht zu widerlegen.
Heller Frauengesang vor sphärischen Tönen bestimmt den entrückt wirkenden Opener "Phantom", einen Rhythmus macht man dabei nicht wirklich aus. Anders als in "Out Of Mind", das deutlich kraftvoller startet und mit seinem Beat auch eher als wirklicher Song auszumachen ist. In dem dichten, verzerrten Gewebe von Geräuschen ist es nicht einfach, Instrumente auszumachen, das gilt für alle anderen Songs genauso. In "Travellers" lockern orientalische Klänge auf, während "Nineteen Eighty-Four" mit seinen changierenden Sounds noch am ehesten das Prädikat psychedelisch verdient. Ein tief frequent wabernder Bass hebt "Orga II" von den anderen Songs ab, während das mit knapp 3 bpm dahin fließende "Ghost" in den noisigen Momenten wie verzerrter Straßenlärm wirkt. Der Song spielt mit laut-leise-Dynamiken und irgendwann nimmt man gar den Hauch einer Melodie war und man bemerkt eine Art Engelschor hinter dem stressigen Lärm.
FAZIT: Die acht Punkte werden bei Anhängern des Genres Kopfschütteln hervorrufen, wer auf klar strukturierte Musik steht, wird mit AUN umgekehrt gar nichts anfangen können. Irgendwo dazwischen liegend, vermisst der Rezensent in den Soundlandschaften die Sogwirkung, "Phantom Ghost" wirkt eher einlullend, als einnehmend.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.12.2011
Martin Dumais
Julie Leblanc
Martin Dumais, Julie Leblanc
Martin Dumais
Julie Leblanc (Klavier)
Denovali / Cargo
43:53
28.10.2011