Die Metal-Balladen sind ein fester Bestandteil von AXEL RUDI PELLs Kompositionskunst. Und so begann er schon 1993 ensprechende Compilations zu veröffentlichen. Das geht mit "The Ballads IV" nun bereits in die vierte Runde.
Obwohl in den "The Ballads"-Compilations in erster Linie emotionale Stücke der letzten Studioalben gesammelt werden, gibt es auf "The Ballads IV" auch drei ganz neue Stücke zu hören – also zumindest ganz neu von AXEL RUDI PELL. Denn neu ist "Holy Diver" von DIO natürlich nicht. Viele werden sich fragen, was an dem Song denn balladesk ist. Im Original nichts, aber ARP hat den Song entsprechend umarrangiert und ihm mit Piano und Streichern eine gefühlvoll-schmachtende Note verpasst. Gewöhnungsbedürftig, aber es funktioniert sogar.
Die zweite auf diesem Werk ganz frisch veröffentlichte Coverversion ist "Hallelujah" von LEONARD COHEN. Es ist eine ganz ordentliche Interpretation des Klassikers, die von Johnny Gioeli auch mit viel Gefühl rübergebracht wird. Insgesamt ist der Song aber nicht so gelungen wie "Holy Diver". Der dritte neue Song im Bunde ist eine Eigenkomposition von AXEL RUDI PELL. "Where The Wild Waters Flow" ist eine typisch episch-emotionale Ballade nach bester ARP-Manier mit symphonischer Untermalung und ausdrucksstarkem Gesang von Johnny Gioeli. Und es ist wahrscheinlich sogar eine seiner besten Balladen überhaupt.
Die übrigen zehn Songs waren bereits auf den letzten vier Studioalben von AXEL RUDI PELL – einschließlich der reinen Cover-Scheibe "Diamonds Unlocked – enthalten. So treffen dann Songs mit tollen Melodien und großartigen Höhepunkten wie "Northern Lights", "Touching My Soul" und "The Curse Of The Damned" auf das in meinen Augen schrecklich verunstaltete "Love Gun" von KISS oder PHIL COLLINS' "In The Air Tonight", welches aber wiederum sehr gelungen umgesetzt ist. Außerdem gibt es mit "Noblesse Oblige" und "Haunted Castle Serenade" noch zwei rein instrumentelle Tracks, die von ihrer emotionalen Ausrichtung aber auch gut auf die Compilation passen.
FAZIT: Die Balladen gehören zu nunmal zu AXEL RUDI PELLs Schaffen, wie die Brille auf die Nase, und so ist "The Ballads IV", wenn man mal "Love Gun" ausklammert, auch wieder eine gelungene Compilation. Wer die Alben ab "Mystica" in seinem Schrank hat, muss sich wohlüberlegen, ob er sich wegen drei neuer Tracks das Werk zulegen will. Wer sich dagegen nur für ARPs Balladenmaterial interessiert – sofern es so jemanden tatsächlich gibt –, kann es hier gesammelt erwerben, ohne den Umweg über viele Studioalben machen zu müssen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.10.2011
Volker Krawczak
Johnny Gioeli
Axel Rudi Pell
Ferdy Doernberg
Mike Terrana
Steamhammer/SPV
75:04
23.09.2011