Holländische Kinder - denn das sind DEWOLFF noch - backen nicht nur Haschkekse, sondern auch feine Songs zwischen Altem und … äh - nicht so Altem. Fürwahr, "Orchards / Lupine" ist einer der krassesten Retro-Trips seit längerer Zeit, vor allem im Verhältnis zum Alter der Protagonisten.
"Diamonds" kommt gleich als völlig entrückter Mellotron-Schleicher daher, und
"Evil and the Midnight Sun" besitzt vom Riffing her etwas von den frühen DEEP PURPLE, kratzt jedoch kaum am späteren Hardrock mit Ian Gillan, wiewohl aber am Psych der damaligen Zeit. Als zweites Album des Trios erinnert "Orchards / Lupine" an das Debüt der Schweden WITCHCRAFT, die damals ähnlich unbedarft in alten Töpfen rührten und nicht so recht aus den Startlöchern zu kommen schienen, was ihre Kompositionen anging. "Everything Everywhere" kann dann auch weder alles noch selbiges überall, sondern eignet sich eingedenk einiger Skips eher für die stillen Stunden. Robin Piso beziehungsweise Pablo indes klingen bereits so charismatisch, als wären sie schon jahrelang auf Pilzen oder einer anderen Vorzugsdroge aus der Zeit, da noch fast alles erlaubt war.
"Who Are You or the Magnificence of Loving a Million Strangers" ist eine wunderbar unaufgeregte Hymne mit verdammt coolem Drumming und wiegendem Rhythmus, deren Gestus auch "Love in C Minor" beibehält. Gerade meint man, die Musiker verließen sich zu sehr auf ihre wenigen, dafür jedoch vollends aufgehenden Berechnungen, da brausen sie unvermittelt auf, um danach noch eindringlicher zu hypnotisieren.
"Higher Than The Sun" bietet als Kontrast Balladeskes mit orgeligem Geflöte, das weit in die Sixties zu reichen scheint, allerdings ohne penetrante Hittigkeit wie bei den zahllosen Urvätern aller "The"-Bands. Der bluesige Boogie "Pick Your Bones Out Of The Water" mitsamt Anhang ("Seashell Woman") kommt den frühen URIAH HEEP recht nahe, wobei: Die galten zu Anfang ja schon als PURPLE-Abklatsch. "Fever" erkaltet danach im Vergleich, wenngleich die Mundharmonika die Jungs einmal mehr als coole Säue ausweist. Überhaupt, in diesem Alter … Man traut sich gar nicht, darauf zu spekulieren, was aus DEWOLFF noch werden mag. "The Pistol" ist nicht nur längenmäßiges Highlight, sondern fusioniert den Bandstil ganz nebenbei mit verflixt gekonnter Impro nebst mitreißendem Spannungsaufbau. Das kriegen selbst die austauschbaren Jam-Bands aus den Staaten kaum besser hin, obwohl hier niemand Angst vor noch einem THE-GRATEFUL-DEAD-Wiedergänger haben muss. Dazu schreiben DEWOLFF jetzt schon zu kompakt. "Poison" klingt schlussendlich wie ein Outro als Versprechen auf noch größere Taten. Wir bezweifeln nicht, dass diese kommen
FAZIT: JEFFERSON AIRPLANE oder die sanfteren Auswüchse von ATOMIC ROOSTER und IRON BUTTERFLY stehen Pate für die Embyros von DEWOLFF, ob der latent psychedelischen Aura wohl auch Zeug wie THE DOORS. In jedem Fall beeindrucken die Niederländer Kids bereits auf Scheibe zwei mit kompositorischem Feingefühl und einem Händchen fürs Alte, das seinesgleichen sucht. Wer BIGELF und BLACK BONZO verhaftet hat … Ihr wisst Bescheid.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.03.2011
Robin Piso
Robin Piso, Pablo van de Poel
Pablo van de Poel
Robin Piso
Luka van de Poel
REMusic / Rough Trade
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25.03.2011