Retro ist nicht nur in Sachen Rock und Metal angesagt, sondern auch im Gothic- und Wave-Bereich - zumindest bei dieser Band, die sich den seltsamen Namen DER KLINKE gegeben hat. Ob der Name im belgischen (die Band kommt aus Oostende) mehr Sinn macht, als im deutschen, sei dahingestellt, deutlich besser hingegen klingt der Sound auf dem Debütalbum "Square Moon".
Vom ganzen technoiden Geballer und den grell-bunten Neonfarben genervt, bekommt der Gruftie der alten Schule hiermit ein wirklich hübsch anzuhörendes Album, das an illustre Bands wie PROJECT PITCHFORK, CALVA Y NADA, DIE FORM, THE ETERNAL AFFLICT oder THE ARCH (deren Sänger CUVG beim Song "Where It Ends" mitmacht) erinnert. Die tanzbaren Rhythmen (zwei Schritte vor, zwei Schritte zurück), die eher minimalistisch gehaltenen Melodien, der düstere Gesang und eine durchgehend kühle Atmosphäre machen den Reiz dieses Albums aus, das reduziert und auf das nötigste beschränkt für einen angenehmen Trip in die Vergangenheit sorgt. Drei Songs werden dabei von einer Gastsängerin veredelt, die sich harmonisch einfügt und in "The Voice" sehr deutlich an ANNE CLARK erinnert.
Bei Songs wie dem Opener "Perfectly Dead" oder dem späteren "Clear Mind" klingen DER KLINKE recht experimentell, während "Radio" (inkl. Appell an die Hörerschaft, sich Alben von Untergrundbands zu kaufen, statt illegal downzuloaden) als modernster Song auf "Square Moon" durchgeht. Insgesamt gelingt es jedoch, sich ein einheitliches, wenn auch nicht einzigartiges musikalisches Gesicht zuzulegen.
FAZIT: Schön, dass es auch heute noch Bands gibt, die liebgewonnene musikalische Traditionen wieder für sich entdecken, statt ihre Sequencer und Synthesizer mit tausend Mal gehörten Presets zu füttern. Zwar könnte der Hitfaktor auf "Square Moon" noch deutlich höher sein, einen gelungenen Einstand darf man DER KLINKE trotzdem attestieren.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.07.2011
Echozone / Bob-Media
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13.05.2011