Nach dem enttäuschenden „Inventor Of Evil“-Album habe ich DESTRUCTION etwas aus den Augen verloren. Zwar gefielen mir die bis dahin erschienenen Reunion-Alben alle sehr gut, aber die erschreckende Einfallslosigkeit in Punkto Songwriting verdarb mir damals erstmal die Lust auf die nachfolgenden Releases. Insofern bietet „Day Of Reckoning“ einige positive Überraschungen, denn das flotte „Hate Is My Fuel“, „Devil´s Advocate“ und der mit einem „Release From Agony“-Gedächtnis-Riff versehenen Titelsong machen durchaus Spaß, wenn man auch hier nicht von wirklich mitreißende Song-Ideen sprechen kann. Ab etwa der Hälfte der Spielzeit geht dem Album dann aber schon die Puste aus. „Sorcerer Of Black Magic”, “Misfit” und „Sheep Of The Regime“ entpuppen sich als völlig unspektakuläre DESTRUCTION-Standard-Nummern und auch im letzten Drittel kommt kein Beitrag mehr über den „ganz nett“-Status hinaus, insbesondere viele Gesangslinien und Refrains kennt man in leicht abgewandelter Form halt bereits von den Vorgänger-Alben. Mit dem letzten Werk der heimischen Konkurrenz von KREATOR können es DESTRUCTION zu keinem Zeitpunkt aufnehmen.
Inhaltlich geht es z.B. in „Church Of Disgust“ um den Missbrauchskandal in der katholischen Kirche und auch ansonsten bekommen Religion und Politik ihr Fett weg. Der Sound unterscheidet sich nicht großartig von Vorgängern, was bedeutet, dass der künstliche und etwas drucklose Klang auf DESTRUCTION-Alben ebenso Geschmackssache bleibt wie Schmiers eigenwilliger Gesang.
FAZIT: Auch wenn es sich im Falle Destruction immer noch einen der eigenständigsten Genre-Verteter handelt, ersetzt Originalität allein nicht songwriterische Klasse. Auch „Day Of Reckoning” kann in dieser Hinsicht nicht an die Qualität der ersten Alben nach der Wiedervereinigung anknüpfen. Trotz einiger guter Songs fehlt es an frischen und herausragenden Ideen. Fans der Band werden auch mit diesem Album leben können, alle anderen sollten ihr Geld besser in wichtigere Veröffentlichungen investieren.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.02.2011
Schmier
Schmier
Mike
Vaaver
Nuclear Blast
46:44
18.02.2011