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Detlev Schmidtchen: ... Blaze The Trail

Stil: Schmidtchen Schleicher im Dancefloor-Fieber

Cover: Detlev Schmidtchen: ... Blaze The Trail

So also klingt es, wenn aus dem ehemaligen ELOY-Schmidtchen der „Schmidtchen-Schleicher“ wird, der einem GOTTLIEB WENDEHALS deutlich näher steht als jeder Form progressiver Rockmusik. Und egal, was auch geschehen möge, lasst euch ja nicht von der Begrüßung auf SCHMIDTCHENs Homepage ins Bockshorn jagen, wo auf der Eröffnungsseite ausschließlich zu lesen ist, dass „dETsmi für den Keyboarder und Gitarristen der einst so erfolgreichen deutschen Klassik-Rockband ELOY aus den 70er Jahren“ steht!

ELOY (oder EGO ON THE ROCKS – beeindruckendes Side-Projekt von Schmidtchen, das es leider nur auf eine CD-Veröffentlichung gebracht hat) ist auf „... Blaze The Trail“ definitiv Vergangenheit – die Gegenwart sieht anders aus: olle Disco-Kugeln flackern, Rhythmus-Computer blubbern ihre Beatbox-Rhythmen blechern durch die Gegend, Gitarren wummern dabei eintönige Melodien durch die Membranen und elektronisch verfremdete Gesänge nerven mit so gigantische Liedzeilen wie „I Feel My Heartbeat / Dancing On The Floor / Boom Boom Boom!“

Kein Wunder, dass der Dancefloor-Eröffnungstitel den Namen „Fools“ erhalten hat, denn jeder, der glaubt, beim Kauf von „... Blaze The Trail“ auch nur einen Hauch von ELOY einatmen zu können, der ist ein Narr oder wird dafür gehalten. SCHMIDTCHEN schreibt selber zu dieser seltsamen CD: „... musste mal sein. Ein Song-Album mit einem leichten Ausrutscher (Lost & Found). Bodenständig, easy Listenings, good Vibrations …!“ Leidet unser DETLEV wirklich an dermaßen extremen Realitätsverlusten, dass er den mit Abstand besten, aber trotzdem nicht wirklich guten Song des Albums, der über eine Laufzeit von 12 Minuten ein klein wenig dieses PINK-FLOYD-meets-TANGERINE-DREAM-Gefühl atmet, als „Ausrutscher“ bezeichnet? Anders herum wird ein Schuh daraus: „... Blaze The Trail“ besteht aus einem halbwegs ordentlichen Song (Lost & Found) und zehn Ausrutschern! Wobei auch die Ausrutscher durchaus abzustufen sind – von extrem bis na ja. „Na ja“ wäre beispielsweise die dunkle, stark elektronische Version von „Deepest Ground“, die finstere Synthi-Flächen mit tiefem Bass und bedeutungslosem Gesang kombinieren, während ein eindeutiges „Extrem“ der dem Album seinen Namen verleihende Song bekäme, der so klingt, als hätte sich eine künstlich geklonte AMANDA LEAR nach erneuter Geschlechtsumwandlung entschlossen, bei DSCHINGHIS KHAN einzusteigen. Zum Glück endet dann viel zu spät nach fast 55 Minuten mit „Here I Am“ samt schrägem Gesang, Drum-Computer-Einheitsbrei und jeder Menge Blechtopf-Sounds sowie dem Versuch, den BONEY-M-Sänger etwas nachzuahmen, „... Blaze The Trail“.

Ein Album, das wirklich keine heiße, richtungsweisende Spur, sondern nur einen aufgewärmten Disco-Pfad hinterlässt, der glücklicherweise heutzutage in der (anspruchsvolleren) Musik kaum noch eine Rolle spielt und von jeder Menge Unkraut überwuchert ist.

FAZIT: „ELOY War gestern – heute ist dETsmi“! Das ist die Devise des ehemaligen Tastenmannes von ELOY, der dieses Album komplett im Alleingang eingespielt, arrangiert, produziert, komponiert und aufgenommen hat, mal von den (mitunter peinlichen) Texten, die von Claudia Roggendorf stammen, abgesehen. Und dass diese Devise zu fast 100% zutrifft, ist unüberhörbar! Der ehemals als „Godfather Of Keyboard“ bezeichnete Schmidtchen pisst sich mit „... Blaze The Trail“ selber an den Sockel oder ans Kreuz oder in den Altar. Diese Musik ist nicht göttlich, also an die besten „Ocean“-ELOY-Zeiten erinnernd, oder wenigstens himmlisch, wie bei EGO ON THE ROCKS. Diese musikalische Spur führt direkt in die Disco-Hölle, in der garantiert keine Gottesväter an den Keyboards gesucht werden!

Punkte: 4/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.09.2011

Tracklist

  1. Fools
  2. Blaze The Trail
  3. Borderline
  4. Heartbeat
  5. Take Me Back And Smile
  6. Under My Wings
  7. Lost And Found
  8. Deepest Ground
  9. The Call
  10. Easy To Do
  11. Here I Am

Besetzung

  • Bass

    Detlev Schmidtchen

  • Gesang

    Detlev Schmidtchen

  • Gitarre

    Detlev Schmidtchen

  • Keys

    Detlev Schmidtchen

Sonstiges

  • Label

    M.I.G. Music

  • Spieldauer

    54:28

  • Erscheinungsdatum

    23.09.2011

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