Das Schlagzeug aus dem PC rattert munter vor sich hin, der allgemeine Sound hat gehobenes Proberaumniveau, die Gitarren sind hoch gepitcht und mit genauso viel Hall aufgenommen, wie der Gesang, der sich zwischen gepeinigtem Gekreisch und Gollum'schem Gemurmel bewegt. So hört sich ein typisches Ein-Mann-Projekt im Black Metal an. Dazu kommen ein Bandname, der ebenso pathetisch ist, wie der Albumtitel und die vermeintlich klischeetriefenden Namen der Songs. Alles gute Gründe, "Ich träume von Finsternis" zu zerreißen. Wenn man es objektiv betrachtet.
Das Vorrecht des Rezensenten erlaubt es aber, auch die subjektive Meinung einfließen zu lassen. Und die weigert sich beharrlich, Die Toten kehren wieder mit dem Wind mit einem Verriss zu belegen. Denn die Art und Weise, wie die genannten Elemente zu einem stimmungsvollen Ganzen vermengt werden, vermag das melancholische Gemüt vollends zu begeistern. Die Tristesse, die vom synthetischen Schlagzeug ausgeht, geht eine kummervolle Liaison mit den depressiven Melodien ein, die hauptsächlich auf der klagenden und wimmernden Gitarre erzeugt werden, hin und wieder kommen aber auch Keyboards zum Tragen, deren Sounds passend zum allgemeinen Klangbild ausgesucht werden. Das schmerzhafte Geschrei fügt sich nahtlos ein.
Die Songs pendeln zwischen manischer Raserei und ambient-artigen Klanggebilden - das Spektrum dazwischen ist natürlich groß, bewegt sich aber im Black Metal-üblichen Rahmen. Zwischendurch mag das ein bisschen langatmig erscheinen, gleichzeitig bietet es aber die Möglichkeit, sich in die Musik und die Atmosphäre gänzlich fallen zu lassen. Hypnotisch ist vielleicht nicht der passende Begriff, doch wird man durchaus in die Lage versetzt, in eine andere Gedankenwelt einzutauchen. Das bereits fünfte Album von Die Toten kehren wieder mit dem Wind (die ersten vier Alben erschienen im Jahresrhythmus von 2004 bis 2007) kommt im handgebundenen Digibook im DIN A5-Format - sehr edel.
FAZIT: Die Kollegen vom Legacy dürften angesichts meiner hohen Bewertung an meiner Zurechnunsgfähigkeit gezweifelt haben, denn die zwölf vergebenen Punkte weichen doch erheblich vom Punkte-Durchschnitt ab, den das Album im Soundcheck bekommen hat. Natürlich ist die Musik und die Ausführung in jeder Hinsicht sehr speziell, doch da es mich tief berührt und extrem zu entspannen in der Lage ist, stehe ich voll und ganz hinter dieser Bewertung.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.01.2011
Bradhenr
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Karge Welten Kunstverlag
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30.09.2010