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Discipline.: To Shatter All Accord

Stil: Progressive Rock

Cover: Discipline.: To Shatter All Accord

Schlappe vierzehn Jahre sind seit dem letzten Studioalbum „Unfolded Like Staircase“ vergangen, schon stehen DISCIPLINE. mit einem neuen Werk am Start. 2010 erschien zwar bereits mit „Live Days“ ein Lebenszeichen, doch zeigte dies keine reformierte Band, sondern enthielt lediglich Material aus den Neunzigern. Und jetzt das Erstaunliche: Das Line-Up des aktuellen Albums ist völlig identisch mit dem der Vergangenheit. Und die vier Herren spielen, rocken zusammen, als wären sie keinen Tag getrennt gewesen.

„To Shatter All Accord” beginnt gewöhnungsbedürftig, und es dauert eine Weile, bis man sich darin zurecht findet. Dann gewinnt es aber von Takt zu Takt.
Zunächst aber: Roots-Rock, rüde, von der Gitarre beherrscht – liegt da der PAIN OF SALVATION-Weg nahe? „A Bridge So Far“…, doch in der Mitte von „Circuitry“ gibt es einen Break, das Piano übernimmt für eine kurze Zeit die gefühlvolle Führung, das Schlagzeug spielt einen hintergründigen Marsch, Parmenter steuert freundliche Singalong-Vocals hinzu, bevor der Song mit barocker Wucht zu Ende geht. Ähnliche Überraschungen und Brüche ziehen sich durchs komplette Werk.

Zwar schimmern (Matthew Parmenters?) Vorlieben für PETER HAMMILL und VAN DER GRAAF GENERATOR durch, schieben sich gelegentlich in den Vordergrund: Nicht nur vom Titel her ist der Beginn von „When She Dreams She Dreams in Color" HAMMILL pur, bevor der Song sich zu einer eruptiven VAN DER GRAAF-Phantasmagorie auswächst. Alle Phasen abdeckend, inklusive David Jackson-Saxophon und Graham Smith-Violine. Weniger eine Kopie als eine eigene Interpretation der geliebten Musik. Lyrisch und voller Power, offen für Experimente und geschlossen im Zusammenspiel; abgerundet mit einem volltönenden Mellotron-Einsatz, der sich SO nie bei VDGG hätte finden lassen. Der folgende Violin-Einsatz über stoisch-ruppiger Gitarre und hartem E-Piano schon eher… Ein monolithisches Teil mit Sogwirkung.

Und wenn sich auch der Aufbau – und manche Gesangslinie – des abschließenden Longtracks „Rogue“ an „Meurglys III“ anlehnt, die vollere Instrumentierung und der wesentlich abwechslungsreichere Verlauf sind eindeutig DISCIPINE..

So sollte man das Album nicht auf die Affinitäten zum HAMILLschen (und Freunde) Kosmos reduzieren, es findet sich weit mehr auf dem groß angesetzten Versuch „alle Akkorde zu zertrümmern“ (naja, das wohl nicht ganz). Ob Funk („Dead City“!), Jazz, filigranes Feintuning, Retro-, Space- und krachiger Rock zwischen LED ZEPPELIN und BLACK SABBATH („Dead City“!!) - DISCIPLINE. haben keine Scheu und verbinden alles zu einem Sound, der spätestens im dritten Anlauf als ihr eigener erkennbar ist.

FAZIT: DISCIPLINE. sind im 21. Jahrhundert angekommen. Wäre schön, wenn sie bleiben. Erst gewöhnungsbedürftige, dann grandiose Rückkehr einer unglaublichen Band. Vierzehn Jahre Pause sind eine kleine Ewigkeit im Musikgeschäft. Wie im Leben. Doch bei DISCIPLINE. funktioniert es. Und funkt. Und rockt. Und symphonikt. Ja, schon gut. Tolles Album.

PS.: Ein wenig kakophonisch darf es auch mal werden (“Dead City”!!!).

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.12.2011

Tracklist

  1. Circuitry
  2. When the Walls are Down
  3. Dead City
  4. When She Dreams She Dreams in Color
  5. Rogue

Besetzung

  • Bass

    Mathew Kennedy

  • Gesang

    Matthew Parmenter

  • Gitarre

    Jon Preston Bouda

  • Keys

    Matthew Parmenter

  • Schlagzeug

    Paul Dzendzel

  • Sonstiges

    Matthew Parmenter

Sonstiges

  • Label

    Strung Out/jfk

  • Spieldauer

    56:48

  • Erscheinungsdatum

    11.11.2011

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