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Divine Baze Orchestra: Dead But Dreaming

Stil: Progressive Rock

Cover: Divine Baze Orchestra: Dead But Dreaming

„A must-have for fans of H.P LOVECRAFT, KING CRIMSON and URIAH HEAP”. Sind schon ulkig diese Pressetextschreiber. Über den vergessenen Punkt hinter Lovecrafts „P“ sehen wir geflissentlich hinweg, aber der falsch geschriebene Nachname URIAHs lässt einen Schluss zu, den das zweite Album der Band aus Uddevalla bestätigt: die Ähnlichkeit mit URIAH HEEP ist nicht gar so groß.
ROBERT FRIPPS Musikerkollektiv liegt näher, vor allem was den freimütigen Mix verschiedener Musikstile angeht, ohne die eigene Linie zu verraten. Das DIVINE BAZE ORCHESTRA, oder kurz DBO, ist bei weitem nicht so sperrig wie KING CRIMSON, aber was da zwischen wuchtigen Keyboardakkorden und filigranen, nur gelegentlich dezent heftigen, Gitarrenklängen hervorlugt, zeugt von ähnlicher Experimentierlust. Vielleicht eine Spur kleiner, etwas melodieverliebter.

Der Einfluss Lovecrafts findet sich natürlich hauptsächlich in den Texten, in denen die „Großen Alten“ und der „kosmische Schrecken“ recht persönliche Interpretationen bekommen. Das ist keine überbordende, kakophonische Symphonie des Grauens, sondern eher ein intimer Ausflug in phantastische Randwelten. Angetrieben von kunstvollem Rock, der sich mit alten VAN DER GRAAF GENERATOren ebenso auskennt wie mit Kraut- und skandinavischer Heavy Progressive-Rock-Dynamik. Angereichert mit ein wenig swingendem Jazz, hauptsächlich Oliver Eeks bedächtiger, aber präziser Gitarrenleistung zu verdanken, und etwas mehr elektronischer Psychedelik, mit flirrenden und schroffen Synthesizerklängen, die man eher im Ambient – Electro-Pop-Bereich vermuten würde.

Ergibt eine Musik, die sich stimmig ergänzt und nicht in ihre Einzelteile zerfällt. Oliver Eek singt dazu wie er Gitarre spielt; nicht mit überwältigender Strahlkraft, sondern dezent, unaufgeregt und gerne seinen Mitspielern Raum überlassend. Zeigt mal wieder, dass man kein herausragender Sänger sein muss, um seine Stücke zweckdienlich zu intonieren.
So entwickelt sich ein abwechslungsreiches, stimmungsvolles Werk, beginnend beim zweieinhalbminütigen atmosphärischen Intro bis zum 13-Minuten dauernden „Lastly, Lament“, der das Album kongenial und mit langem Atem paraphrasiert. Ein Wechselbad der Gefühle. Aber ein heißes…

FAZIT: Das Cover, welches einen depressiven 10-jährigen als Erzeuger vermuten lässt, verheißt schlimmes. Doch das DBO überrascht und gewinnt auf ganzer Linie und Länge. Keyboardhasser wenden sich schnaubend ab, aber wer sich zwischen Synthesizer (in verschiedenen Spiel- und Klangfarben) und Mellotron wohlfühlt, der findet in „Dead But Dreaming“ ein wahres El Dorado.

„Dead But Dreaming“ ist eine düstere kleine Phantasmagorie, die das dunkel-groteske der Früh-Siebziger Alben VAN DER GRAAF GENERATORS, GENESIS‘ und KING CRIMSONS in die Gegenwart transportiert, ohne die Bands zu kopieren. Dabei weder allzu abstrakt noch ausufernd, sondern songorientiert und mit der nötigen Verspieltheit (wie der hämmernde Bass zu Beginn von Flow/Unity), die aus dem Album keine reine Kopfsache werden lässt. Die erste große Überraschung dieses Jahres. Und eine sehr positive dazu.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.01.2011

Tracklist

  1. Tracklist:
  2. It Came From The Stars...
  3. They Rise
  4. Origins
  5. Flow/Unity
  6. What Mustn't Be Spoken
  7. The Cellar
  8. Lastly, Lament
  9. 1927 - A Homage

Besetzung

  • Bass

    Joel Berntson

  • Gesang

    Oliver Eek, Joel Loof

  • Gitarre

    Oliver Eek

  • Keys

    Joel Loof, Mattias Johansson

  • Schlagzeug

    Christian Eklof

Sonstiges

  • Label

    Transubstans Records

  • Spieldauer

    51:21

  • Erscheinungsdatum

    28.01.2011

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