„Haus 13“, das Debüt des Quasi-Einmannprojekts DR. KRANCK, ist eine äußerst zwiespältige Sache, denn rein musikalisch hat das dreiviertelstündige Langeisen einen zwar wenig revolutionären, aber fein produzierten, clever arrangierten Mix aus technoider EBM und Electro zu bieten. Allein während den ersten Nummern „Antisuizidtänzer“, „Strippenzieher“ und „Trauma Traum“ geschieht mehr als auf so manch genreverwandter Scheibe, sodass das Album in instrumentaler Hinsicht – sieht man mal von der mangelnden Variation bezüglich der bpm-Zahl ab – gut und gerne im 11-Punkte-Bereich seinen Platz finden könnte.
Doch schon die lächerliche Optik, die einem beim Durchblättern des Booklets entgegen springt, ist ein Fingerzeig auf das, was die Musik in den kontaktbelinsten Augen des Doktors sein soll: Totaaal crazy und voll kran(c)k, ey. Da trägt der Bandboss Zwangsjacke, sein ach so irrer Blick fixiert die Leere, und aus dem Mund läuft gelbgrüner Schleim. Eine Seite weiter versucht der junge Mann dann den Kinderfresserblick. Und so weiter. Mensch, der ist aber mal durchgeknallt, holla die Waldfee. Nur: Wen will DR. KRANCK damit beeindrucken? Meine Tochter meinte jedenfalls, sie mache sich eher vor Lachen als vor Angst in die Buchse.
Über diese visuellen Albernheiten könnte hinweggesehen werden, wenn der Doc wenigstens seinen Schnabel gehalten hätte, denn die „kranken“ Vocals äußern sich lediglich in eintönigem Gekrächze der Sorte „Papagei mit schwerer Halsentzündung hat versehentlich Ecstasy als Medikament bekommen“ und sind nervig und peinlich – als wären die Texte nicht schon schlimm genug.
FAZIT: Vier Punkte für die guten Ansätze. Die restlichen elf Punkte geb ich mir selbst für meine Tapferkeit, bis zum Ende des Albums durchgehalten zu haben.
Punkte: 4/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.10.2011
Dr. Kranck
Körperschall Records
45:35
28.10.2011