Dritte Scheibe, aber "Mach es oder brich es" erübrigt sich wohl für einen gestandenen und sich Bocksprüngen verwehrenden Musiker wie den ehemaligen GUNS'N'ROSES-Bassisten. Von Meister Terry Date produziert wurde "The Taking", und wenn LOADED mit dieser angenehm modern wie klassisch tönenden Scheibe auch niemanden im Sturm nehmen, ist ihnen dennoch ein gediegenes Rockalbum gelungen, das sich wie seine Macher selbst genügen will.
MCKAGAN besitzt nicht gerade ein mega-expressives Organ, weiß aber dafür, wie man Songs schreibt. Klingt der Opener noch recht vorhersehbar, wechselt man für den "Executioner's Song" ("Democracy is such a whore" - wo er Recht hat …) in einen schleifenderen Gang, dessen zweite Hälfte vor Double-Leads und Solos nur so britzelt. "Dead Skin" und "We Win" scheinen eher aufs US-Formatradio zugeschnitten worden zu sein, letzteres gar ein wenig verzärtelt und - man hat es in Gedanken an die Vorgängerscheibe geahnt - recht "alternativ". Die ganz frische Jugend wird man rootsrockend und gerade mit dem Affen Axl im Nacken nicht mehr in diesem Leben begeistern; nennen wir solche Preziosen also besser zeitlos und hoffen, dass gerade im Heimatland des Barden mehr unbedarfte Menschen von wahlweise Justin Bieber oder Deathcore wegkommen, wenn sie "The Taking" hören. "Easier Lying" und das licht arrangierte "She's An Anchor" überzeugen auf breiterer Ebene und täten den plastikverpackten Charts gut, so man sie mit entsprechender Promotion noch knacken könnte.
Nach dem luftigen Doppel "Indian Summer" und "Wrecking Ball" rüpelt "King Of The World" leidlich punkig daher, und es fällt auf, dass LOADED gerade in den zurückhaltenderen Momenten mehr bewirken als auf der Standard-Schiene der wilden Männer. Demzufolge gefällt die Akustikversion von "Cocaine" im Blues-Gestus auch besser als die Erstfassung. Dieser folgen allerdings - man sollte es nicht vergessen - die relativ wütendenden "Your Name" beziehungsweise "Follow Me To Hell". Am Ende sieht man ein, dass MCKAGAN einerseits dem Obligatorischen entspricht, jedoch keinen Mehrwert bietet, der ihn davon absehen ließe, sich auf den Lorbeeren von dereinst auszuruhen.
FAZIT: "The Taking" macht Spaß, wiewohl der Sinn im Falle LOADED noch nie darin bestand, die Band mit Knarren und Rosen zu vergleichen. DUFF MCKAGAN hat sich heuer dem durchweg bodenständigen und unverbindlichen Rock verschrieben, der sich zwischen Zeitgeist und Tradition gut ausmacht, indes kaum für gleißende Kometen am Musikhimmel sorgt. Durchschnittlich bis gar nicht schlecht - ein Urteil, das nicht wenigen schon das Genick gebrochen hat.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.04.2011
Jeff Rouse
Mike Squires, Duff McKagan
Mike Squires, Duff McKagan
Isaac Carpenter
Armoury Records / Eagle Rock
48:27
15.04.2011