„Preacher“ war auf dem RUNNING WILD-Debüt „Gates To Purgatory“ der zweite Gitarrist und Songwriter neben Mastermind Rock´n Rolf, bevor der mit seiner Band auf große Kaperfahrt ging und Gerald „Preacher“ Warnecke tatsächlich Pfarrer wurde. Ich schätze dieses teutonische Metal-Frühwerk immer noch sehr und war gespannt, wie sich das neue musikalische Lebenszeichen des Idols aus Teenagerzeiten anhören würde.
Das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd. Nach dem kurzen Intro, das mit dem Riff von „Prisoners Of Our Time“ unterlegt ist, dominiert angestaubter, simpler, meist stampfender 80er-Metal im Stil von ACCEPT und GRAVE DIGGER mit durchschnittlichem Gesang und noch durchschnittlicheren Songideen. Mal geht es etwas flotter zur Sache, hie und da werden auch mal ruhigere Töne angeschlagen, aber in der Regel sehnt man sich vor allem ein schnelles Song-Ende herbei. An alte RUNNING WILD erinnern - neben dem bereits erwähnten Intro - noch das Grundriff von „Into The Pit“ und das abschließende Titelstück. Doch klingen diese Reanimationsversuche eher verkrampft und hüftsteif, an die Qualität der alten Gassenhauer reicht die Musik zu keiner Sekunde heran. Vor allem die „Ooohoohooh“-Chöre im Hintergrund wirken schon ziemlich peinlich. Hinzu kommen reichlich plumpe Texte, die stellenweise die Fremdschämgrenze deutlich überschreiten („Shout for Metal“). Handwerklich ist das sicher solide und auch am Sound gibt es nichts zu meckern, aber das wiegt die Schwächen beim Songwriting nicht auf.
FAZTI: „Earth Cathedral“ ist ein höchst durchschnittliches und biederes Metal-Album geworden, das zwischen fehlender Inspiration und peinlichen Wiederbelebungsversuchen längst vergangener Zeiten hin- und herpendelt. Braucht eigentlich kein Mensch.
Punkte: 5/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 31.08.2011
Timo Weber
Guido Krämer
Preacher
Peter Michels
Rock it Up Records
48:15
19.08.2011