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Reviews

The Haunted: Unseen

Stil: Alternative / Thrash Metal

Cover: The Haunted: Unseen

Na, ob das mal so eine gute Idee war? Die Schweden THE HAUNTED begehen mit ihrem siebten Album eine Tat, die gemeinhin als Stilbruch angesehen wird und die von der oftmals eher konservativ eingestellten Metalszene gerne mal mit Ignoranz, Spott und wütendem Protest bestraft wird. Da können Bands wie METALLICA oder IN FLAMES ihr Liedchen von singen. Doch sollte man im Hinterkopf behalten, dass THE HAUNTED sich eh schon länger von ihren traditionellen Wurzeln entfernt hatten und der pure Thrash nur noch eine Komponente im Sound der Band war. Nun geht man einen noch deutlicheren Schritt weiter nach vorn und öffnet sich einem zugänglicheren, Alternative-lastigen Sound und bleibt dabei doch zu 100% THE HAUNTED.

Zumindest dann, wenn bei der Herangehensweise an die Band nicht die schiere Härte als Maßstab angelegt wird, sondern die Tatsache, dass gutes Songwriting und vor allem eine authentische Emotionalität THE HAUNTED mehr ausmachen, als das Thrash-Riffing der Anfangstage. Das bedeutet, dass diejenigen, die ein Album wie "The Dead Eye" nicht nur nachvollziehen konnten, sondern es für eines der besten Werke im Schaffen der Band halten, auch mit "Unseen" werden umgehen können. Für alle anderen gibt es 2011 schließlich genug SLAYER-Kopisten in der Thrashszene.

Genau 22 Sekunden lang wähnt man sich beim selbstbewusst betitelten Opener "Never Better" auf sicherem Terrain, doch die thrashige Einleitung geht dann schnell in den hochmelodischen Ohrwurm-Refrain über, der die Marschrichtung auf dem Album vorgibt. Wer jetzt schon die Hände über dem Kopf zusammen schlägt, braucht gar nicht erst weiter zu hören. Schnell wird dabei deutlich, dass Sänger Peter Dolving auf "Unseen" seine wohl beste und variabelste Gesangsleistung für THE HAUNTED abliefert, dabei überrascht er im atmosphärischen "Catch 22" sowie im ruhigeren Hit "Disappear" mit unerwartet hohen Gesangslagen, selbst vor an KORN erinnernde Passagen schreckt er nicht zurück. "No Ghost" geht mit seinen Southern-Anleihen als wohl untypischster Song der Bandhistorie durch, während das flottere "Motionless" beweist, dass man dem Thrash nicht abgeschworen hat, ihn aber deutlich dezenter einsetzt. Mit seinem göttlichen Refrain ist der gefühlvolle Titeltrack eines der Highlights auf "Unseen" und so lautet das Fazit nach der Hälfte des Albums: drei starke und drei wirklich geile Songs.

Die zweite Hälfte startet mit "The Skull" zunächst ruhig, bevor der Song an Aggression deutlich zuegt - ja, THE HAUNTED sind auch 2011 noch aggressiv, wenngleich viel subtiler, als früher. Ebenfalls nichts geändert hat sich an den bissigen, ironischen und oft persönlichen Texten auch wenn man den Lyrics anhört, dass Peter Dolving nicht mehr das seelische Wrack ist, das er mal war. Mit "The City" und "Them" finden sich zwei vergleichsweise harte und düstere Nummern im letzten Albumdrittel, bevor das wiederum grandiose "All Ends Well" mit seinen Melodien leicht an MEGADETH Mitte der 90er erinnert. Das eher typische, groovige "Done" beendet ein mutiges Album, das vermutlich sehr, sehr kontrovers aufgenommen werden wird.

FAZIT: THE HAUNTED klingen auf "Unseen" amerikanischer, moderner und zeitgemäßer als je zuvor, sind weniger Thrash als je zuvor, dabei aber auf ihre Art und Weise besser als zu zuvor, womit sich der Kreis zum Opener "Never Better" schließt. Die Band macht nur noch das, was sie will und schert sich einen Dreck um die Erwartungen der Hörer, dafür werden sie von vielen angefeindet werden, viele andere werden "Unseen" jedoch lieben. Und das aus sehr gutem Grund.

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.03.2011

Tracklist

  1. Never Better
  2. No Ghost
  3. Catch 22
  4. Disappear
  5. Motionless
  6. Unseen
  7. The Skull
  8. Ocean Park
  9. The City
  10. Them
  11. All Ends Well
  12. Done

Besetzung

  • Bass

    Jonas Björler

  • Gesang

    Peter Dolving

  • Gitarre

    Jensen, Anders Björler

  • Schlagzeug

    Per Möller Jensen

Sonstiges

  • Label

    Century Media

  • Spieldauer

    42:21

  • Erscheinungsdatum

    18.03.2011

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