Einen Retrotrip der ganz und gar nicht überraschenden Art haben THE LAST CRY aus Brighton anberaumt. Als Reiseleiter fungierten vor allem die The-Bands der Achtziger, und hochtoupierte beziehungsweise schwarz eingefärbte Haare sind mit einem Mal wieder salonfähig. Für kompositorischen Mehrwert müsste man allerdings noch einen Aufschlag zahlen.
Andrew Birch ist, man erwartete es fast, eine Robert-Smith-Epigone erster Güte. Im klassischen Fledermaus-Trio zockt es sich überschaubar wavig und stimmungsmäßig selten aufbegehrend auf der verdrossenen Seite. Die Palette reicht dabei vom verlorenen "Out Of The Sky" bis zu den dramatischen Tracks "Punishment" oder "Haunting Me", das wiederum energisch vorantreibt. "Cross Of Hope" kehrt den Retro-Gitarrensound vor textarmer, leicht technoider Kulisse hervor, wohingegen bereits mit "Nowhere" erste Abnutzungserscheinungen offenbar werden. THE LAST CRY wirken hier einen Tick zu formelhaft und zudem unfreiwillig stumpf, eben weil sie sich strikt aufs Aufwärmen verstehen.
Das synthetische Schlagzeug verärgert vor allem in den zarten Momenten, derweil es dem lärmigen, fast brutalen "Cry" sehr gut steht, dem Rave von "Prison Of Dreams" sowieso. Das elegische "No Resistance" versprüht ein bissschen Bowie-Flair - Metaller dürfen die frühen SAVIOUR MACHINE heranziehen -, und "Rebekka" wird mit Akustikgitarre und deshalb organischerem Sound zum facettenreichen Hit, derer es in dieser Form mehr bedurft hätte. Will heißen: THE LAST CRY erledigen die Pflicht und berühren zu selten abseits bekannter Gothic-Schemata. Das sollte Genre-Freunde jedoch nicht vom Antesten der Scheibe abhalten.
FAZIT: THE LAST CRY siedeln zwischen etwa THE MISSION (Kompaktheit) und FIELDS OF THE NEPHILIM (Facettenreichtum) an, erreichen aber nicht deren schreiberische Tiefe. Ein paar satte Hits für die Gruft-Disco wirft "Walking To The Edge" aber dennoch ab.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.10.2011
Echozone / Sony
55:30
14.10.2011