Die Zeiten, da Spinefarm nur skandinavische Preziosen aus dem Untergrund bargen, sind längst vorbei, wie das Label auch nicht mehr ausschließlich Pop-Metal vom Widerlichsten vertreibt, anders als es zwischendurch der Fall war. Sami Tenetz hat sich nicht erst gestern unter Universal-Fittiche begeben und lässt mit den blutjungen THE TREATMENT eine Britentruppe auf den Marktplatz treten, die sich trefflich ins gegenwärtige Classic-Rock-Umfeld fügt.
"Departed" ist LED ZEP light, und gleich darauf schlingern die Jungs mal zwischen AC/DC und AEROSMITH ("The Doctor", "I Want Love" sowie das druckvolle "Shake The Mountain"), mal sacken sie in gesichtslosen late-Eighties-Hardrock ab wie mit "Just Tell Me Why" und "Nothing To Loose But Our Minds". Die Single "D***K, F**K, F***T" ist zwar an allen möglichen Plätzen zusammengeklaut, aber eines der Highlights. Sowieso sollte man bei allen neueren "The"- beziehungsweise "Black"-irgendwas-Bands bekanntermaßen keine Neuerungen erwarten und mit Dreistigkeiten ohne Ende rechnen; dankenswerterweise hat man es bei THE TREATMENT jedoch nicht mit einer weiteren Totalkopie zu tun.
Die Produktion vom Drummer-Papa in Steve Harris' eigenem Studio ist unauffällig geraten, aber zweckmäßig und dem Mainstream dementsprechend würdig. Matt Jones' kratzige Stimme gemahnt in besten Momenten an einen jungen Steven Tyler, was vor allem in relaxteren Momenten zu hören ist ("I Fear Nothing"). Abzüglich des Ohrwurms "Lady Of The Light" fangen THE TREATMENT hinten raus allerdings zu hinken an, auch trotz der sprichwörtlichen "Road Rocket" (zu Nullachtfuffzehn) und dem schmachtenden Lippenbekenntnis von "Just Tell Me Why" als zarter Reprise. Letztere ist nur Mache wie vieles in diesem Metier.
Der alte Mann behauptet, früher sei es authentischer gewesen, aber treten wir keine Grundsatzdiskussionen los. Gutes Album, doch wie man sich auf lange Sicht behaupten wird - die Floskel passend zur schmachtenden Floskelmusik am Ende -, bleibt abzuwarten.
FAZIT: Classic Rock, Hardrock, Schweinerock oder was auch immer: THE TREATMENT platzen in ein für ihre Musik angenehmes Klima. Stichwörter THE ANSWER, RIVAL SONS, BLACK STONE CHERRY und so weiter. Legitim werden sie in diesem Umfeld, weil sie eher nach Boston schielen als in die eigene Heimat oder gar nach Down Under - und das mit zumindest zwei Dritteln Treffersongs.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.10.2011
Swoggle
Matt Jones
Ben Brookland, Tagore Grey
Dhani Mansworth
Spinefarm / Universal
50:07
23.09.2011