Zurück

Reviews

The Wounded Kings: In the Chapel of the Black Hand

Stil: Orgel-Doom

Cover: The Wounded Kings: In the Chapel of the Black Hand

Superdüster geht es im englischen Südwesten zu, und heuer mit zeitgeistigem Mehrwert, nachdem Sänger George das Weite gesucht hat: Okkulter Rock mit Frauchen am Mikrofon ist in, und THE WOUNDED KINGS nisten sich mit ihrem bleischweren Orgel-Doom eine eigene Nische im ohnehin muffig engen und mediengemachten "Trend"-Winkel ein. Sprich: Das Gelaber kann dem Quintett schnurzpiep sein …

Vier Songs … alles klar, nicht wahr? Dreimal über zehn Minuten, einmal kompakt, aber der Reihe nach: "The Cult Of Souls" entführt den Hörer ins Spukschloss. Neuzugang Sharie ist stimmlich ähnlich begrenzt wie andere Gläserrückerinnen, besitzt aber dafür das notwendige Charisma, und wo Mike Heath zumindest von Fettesten riffen kann, streut Kollege Mills die notwendigen Harmonien über seine Hammond ein. Das wird vor allem im ganz gemächlichen Schlagabtausch am Ende des Tracks anmutig - zuerst gedehnte Leads, dann die Klampfe zurückgenommen und zum großen Finale angehoben. Da muss Madame am Mikro nur kurz hauchen, und die Gänsehaut stellt sich ein.

Und nein, die Freunde der Nacht lassen sich nicht einfach nur gesichtslose Bandwürmer aus dem Rektum hängen, sondern schreiben stringente Songs mit Spannungsbögen. "Gates Of Oblivion" setzt in Sachen Schauerlichkeit noch einen drauf, wiewohl THE WOUNDED KINGS dumm wären, sich auf eine Stimmung zu beschränken, denn ihr Bandname sollte verpflichten und tut es auch. Song zwei offenbart also zumindest verhalten Verletzlichkeit, gerade im zweiten Teil von drei insgesamt ("The Descent", "Dominion" und "Arrival"), während das Finale vermutlich das Maximum dessen darstellt, wozu Neyland stimmlich in der Lage ist.

Der verlorene Kurzsong an dritter Stelle erweist sich als Instrumental mit Mehrarbeit für die Gitarrenfraktion, ein stimmiges Interludium zum Abschluss- und Titelstück der Scheibe, mit dem THE WOUNDED KINGS beweisen, dass der Wechsel an der Front als Fortschritt auch aufs rein Instrumentale abgefärbt hat, denn wo die Band zuvor vor allem heavy und nicht viel mehr war, versprüht sie nun ein eigenes Flair, eben nicht nur gesanglich, sondern auch kompositorisch, denn sollte man sich auf einen Vergleich festlegen, fallen die Solobemühungen von Leif Edling ein - und selbst das auch nur mit großen Abstrichen.

FAZIT: THE WOUNDED KINGS spielen Kirchen-würdigen Schwerst-Doom mit Frauenstimme an der Front und sind damit so etwas wie die Metal-Version von JACULA und anderem Okkulten. Schmeckt englisch, riecht italienisch und mundet vor allem in den finsteren Stunden trefflich zur Läuterung, denn wer es sprunghaft mag, sollte sich woanders umschauen.

Punkte: 10/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.09.2011

Tracklist

  1. The Cult Of Souls
  2. Gates Of Oblivion
  3. Return Of The Sorcerer
  4. In The Chapel Of The Black Hand

Besetzung

  • Bass

    Jim Willumsen

  • Gesang

    Sharie Neyland

  • Gitarre

    Steve Mills, Alex Kearney

  • Keys

    Steve Mills

  • Schlagzeug

    Mike Heath

Sonstiges

  • Label

    I Hate Records

  • Spieldauer

    41:12

  • Erscheinungsdatum

    02.09.2011

© Musikreviews.de