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The XCerts: Scatterbrain

Stil: Alternative / Indie

Cover: The XCerts: Scatterbrain

Das Zweitwerk der britischen THE XCERTS atmet den Geist wahrhaft alternativer Musik, wie sie Ende der Achtziger noch tatsäclich und nicht nur als Pose gemacht wurde. Mögen sie es selbst als "distorted pop" bezeichnen, besteht "Scatterbrain" jedoch mitnichten aus direkt zugänglichen Hits wie vom Fließband.

Der Titelsong etwa braucht eine Weile, bis er sich dem Hörer in seiner Schönheit - dem erhebenden Refrain - gänzlich offenbart, wohingegen "Distant Memories" und "Gum" eine versonnenere und kratzige Variante des amerikanischen College Rock darstellen. "Slackerpop" klingt, wie der Titel vermuten lässt, kommt zwischendurch aber aus den Puschen und rüpelt sich herzlich in die Powerpop-Chefetage, auch wenn man glaubt, THE XCERTS stolperten absichtlich über ihre eigenen Schnürsenkel, da sie sich strikt weigern, den kleinsten gemeinsamen Nenner mit einer mutmaßlichen Klientel zu finden, die ihnen üppige Bankkonten bescheren könnte. Ernsthaftes Künstlerbewusstsein nennt man dies wohl …

"I Scare Easy" passte mit einer anderen Gesangsstimme auch zu den späten NIRVANA. "Young (Belane)" ist wie "Gum" noch einmal in der vier Tracks umfassenden Bonussektion von "Scatterbrain" vertreten und schreit ebenso danach, als Single ausgekoppelt zu werden, mutet aber im farbenfrohen Kontext vergleichsweise blass, weil mit am offensichtlichsten unter allen Liedern an. Das flächige "He Sinks. He Sleeps" ist danach beinahe schon Artpop, und "Carnival Time" ein minimalistischer Spannungstreiber, bei dem man sich die Tränen vom Wind trocknen lassen kann, was auch für "Hurt With Me" gilt. Nur "Lament" - der Titel sagt es - ist noch trauriger und instrumental nahe am Rauchschwaden verbreitenden Post Rock.

Die erwähnten Zubrote - neben den Alternativversionen der Hits gibt es mit "Let's Run" einen unauffälligen Tanzflächenfeger mit kräftigen Gitarren, der wavigem Punk ebenso nahesteht wie "Tear Me Down", eine Einladung zum Glücklichsein - muss man nicht als solche verstehen; vielmehr wirken sie vollkommen in den von Mike Sapone (PUBLIC ENEMY und mehr) ruppig produzierten Songreigen integriert, und THE XCERTS als Band wie ein wunderbarer Anachronismus.

FAZIT: "Scatterbrain" begeistert Fans von Alternative aus Zeiten, da dieses Etikett nicht bloß Makulatur gewesen ist. Zwischen heutigem Indie einer- und der gefühligeren Seite von Seattle (SUNNY DAY REAL ESTATE etwa) anderseits nisten sich THE XCERTS mit Wohlfühlgarantie ein.

Punkte: 10/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.11.2011

Tracklist

  1. Tar
  2. Scatterbrain
  3. Distant Memories
  4. Gum
  5. Slackerpop
  6. I Scare Easy
  7. Young (Belane)
  8. He Sinks. He Sleeps
  9. Carnival Time
  10. Hurt With Me
  11. Lament
  12. Let's Run
  13. Tear Me Down
  14. Gum (Alternative Version)
  15. Young (Belane) (Alternative Version)

Besetzung

  • Bass

    Jordan Smith

  • Gesang

    Murray Macleod

  • Gitarre

    Murray Macleod

  • Schlagzeug

    Tom Heron

Sonstiges

  • Label

    Xtra Mile Recordings

  • Spieldauer

    52:45

  • Erscheinungsdatum

    18.11.2011

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