Die Melodic Power Metaller von THEOCRACY melden sich mit ihrem dritten Album zurück – und nach dem Genuss des Openers „I AM“ spielt der Renzensent schon mal kurz mit dem Gedanken, „As The World Bleeds“ in die Nähe der Höchstnote zu hieven. Der elfminütige Auftakt bietet nämlich die Quintessenz des gesamten THEOCRACY-Kosmos in beeindruckender Perfektion. Schmeichelnde Melodien, Dramatik, Epik, eine Spur Progressivität, exzellente Vocals von Matt Smith (Hallo, Tobias Sammet: Bitte den Mann für das nächste AVANTASIA-Album einfliegen!) und große Chöre, eingebettet in eine glasklare Produktion.
Wenn alle zehn Songs von derart überragender Qualität wie „I AM“ wären – unter dem Strich würde hier eine 15 stehen. Doch es ist fast schon logisch, dass die neun nachfolgenden Stücke nicht ganz dieses Qualitätslevel halten können. Doch wir jammern hier auf hohem Niveau, denn auch „The Master Storyteller“ (Twin Guitars zum warm-die-Hose-runterlaufen-lassen!), „Hide In The Fairytale“, „30 Pieces Of Silver“ oder der Titeltrack – um mal nur vier zu nennen – wandeln traumwandlerisch auf dem äußerst schmalen Grat zwischen Kitsch und Kunst. Die Jungs aus Athens in Georgia schaffen es immer wieder, bei aller Eingängigkeit, bei all den großen Breitwandmelodien, immer wieder anspruchsvolle Parts einzuweben, im richtigen Moment die Schraube anzuziehen.
FAZIT: Im Bereich des melodischen Power Metals zählt „As The World Bleed“, das im Übrigen deutlich europäischer klingt als es die US-amerikanische Herkunft des Quintetts vermuten lassen würde, in diesem Jahr in der Qualitäts-Top-10. Mindestens. Aber was heißt hier schon „Melodic Metal“? THEOCRACY haben viel mehr zu bieten – einfach mal „I AM“ probehören und begeistert sein.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.11.2011
Jared Oldham
Matt Smith
Val Allen Wood, Jonathan Hinds
Shawn Benson
Ulterium Records
62:02
25.11.2011