Man könnte sich – genügend Oberflächlichkeit vorausgesetzt – natürlich an der fiesen Optik der fünf Männer, pardon, Jungs festbeißen, denn die bietet viel Angriffsfläche: Frisuren der Marke „Erst rückwärts bei Tempo 200 im Cabrio sitzen, und dann zieht Mutti Dir einen Seitenscheitel“ plus Streifenpullis, Eierkneiferhosen und andere Styling-Geschmacklosigkeiten, und zu guter letzt wird dann noch wie ein Schlumpf auf Koks in die Kamera gegrinst. Da schreit der Hardcore-Fan „Pfui!“, der Metalhead „Igitt!“, der Punk „Bah!“. Also alles BieberCore oder was?
Richtet man die Aufmerksamkeit allerdings auf die Musik, darf man feststellen, dass THESE HEARTS musikalisch einiges zu bieten haben. Natürlich sollte man ein Faible für vergleichbare Sounds solcher Vertreter wie CHIODOS, SILVERSTEIN, HAWTHORNE HEIGHTS oder A DAY TO REMEMBER (deren letztes Album „What Separates Me From You“ von mir ja ganz schön abgewatscht wurde) mitbringen, um dem jugendlich anmutenden Metalcore-Emo-Screamo-Alternative-Punk-Rock-Gewusel etwas abgewinnen zu können, und gerade das in den melodischen Momenten seeeehr androgyne, hochfrequente Organ von Sänger Ryan, die leicht poserhaften Breakdowns und die manchmal richtig cheesigen Melodien klingen sehr toleranzeinfordernd - Man muss unweigerlich an US-Teenagerfilmsoundtracks denken, wenn man den Burschen aus Fargo in North Dakota lauscht.
Aber THESE HEARTS werden irgendwann auch mal größer und erwachsener. Wieso also sollten sie nicht genau jetzt ein Positivität verbreitendes Sprachrohr ihrer eigenen Generation sein? Sie <i>sind</i> jung, sie <i>klingen</i> jung – und sie haben Spaß. Und mal ehrlich: Aus dem stilistischen Dunstkreis der fünf gibt es Unmengen an <i>wirklich</i> schlimmen Bands.
FAZIT: Guter Stoff für die Zielgruppe, der Hassern des Genres bestimmt als Kanonenfutter taugen wird. Warum allerdings sollte man der Band und ihren Fans den Spaß madig machen, nur weil... ja, weil weswegen warum wieso weshalb überhaupt? Weil Jungspunde Musik machen, die den harten Kerlen und alten Säcken zu anstrengend ist? Pff. Meine musikalische Ecke wird das wohl nie werden, aber Respekt vor gut Gemachtem sollte gegeben sein.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.06.2011
Tyler
Ryan
Kyle, Daryl
Isaiah
Victory Records
34:30
24.06.2011