Nach einem Exportbier benannt, wurde THIRSTY MOON 1971 von Jürgen und Norbert Drogies gegründet. Zwei Alben, eine Auflösung und diverse Umbesetzungen später, spielte die Band um die Drogies-Brüder 1976 in „Stagge’s Hotel“ (nur echt mit Deppen-Apostroph). Die bestenfalls semiprofessionelle Aufnahme bezeichnet Plattenfirma Sireena als „geretteten Fund“. In Anbetracht des Alters und der Umstände ist der Live-Sound sehr respektabel. Etwas blechern und hohl, aber sauber. Die Instrumente verschmelzen nicht zu einem dumpfen Soundbrei. Größtes akustisches Handicap ist das stetige Geplapper des Publikums im Hintergrund. In Osterholz-Scharmbeck scheint ein geschwätziger Menschenschlag zu leben: die halten NIE die Klappe.
Kleiner Exkurs: Ich habe nie verstanden wie man ein Konzert besuchen kann und sich dann die ganze Zeit, gerne in kleinen Grüppchen, über den letzten Schmonzes unterhält. Okay, bei lausigen Bands ist die Versuchung groß, aber gerade dann kann man den Saal ohne Reue verlassen und noch dem unbegabtesten und bemühtesten Musiker einen letzten Rest Würde lassen, und vor allem den Menschen nicht zur Last fallen, denen die gespielte Musik gefällt. Keine Sau interessiert, ob Sören fast an einem Hühnerknochen erstickt wäre, Chrissies neue Tasche sündteuer war und trotzdem fürchterlich aussieht oder Bobby Hanni und Nanni arrogant findet, während Jenni die Zwillinge mag.
Gerade bei akustischen Konzerten, sollten leichte Schläge Richtung Sprachapparat der rabiatesten Schwätzer nicht als Körperverletzung, sondern verdienstvolle Sozialmaßnahme beurteilt werden. Gilt auch für Kinobesuche. Wobei dort – je nach Film – auch einfaches Erschießen erlaubt sein sollte. Make my day. Kleiner Exkurs: Ende.
THIRSTY MOON spielen einen freundlichen, ausufernden Jazzrock, der in den Siebzigern Musikkneipen in ganz Deutschland (und darüber hinaus) bereicherte. Musik, die den Getränke- und Zigarettenkonsum geradezu schamlos förderte. Die Füße wippen, die Hüfte kreist, während über einem soliden Rhythmusteppich ordentlich gejammt wird. Gerne mit ausladenenden E-Piano-Improvisationen und nicht allzu wilden Saxophon-Spielereien – im dynamischen „Music“ leider jäh abgewürgt. Ebenso packen THIRSTY MOON mit Wonne die Gitarre aus. Wessen Stern dabei am Horizont blinkt und funk-el-t, macht nicht nur das „Third Stone From The Sun“-Cover deutlich. Wobei sich Jürgen Drogies eher in gemäßigten Geschwindigkeitsbereichen wohl fühlt. Aber warum sollte er auch seiner Band, die sich im gepflegten Midtempo offensichtlich wohlfühlt, davon galoppieren?
Meist ist die Musik instrumental, nur manchmal setzt Jürgen Drogies seine Stimme ein. Von Gesang kann man dabei nicht wirklich sprechen, eher eine lautmalerische Ergänzung des eigentlich erdigen Sounds, der sich damit ein bisschen Richtung Weltall orientiert. GONG grüßen von ganz fern.
FAZIT: Unaufgeregte Musik von rumpeligem Charme, manchmal ein bisschen eintönig, wenn die Musiker zu entspannt vor sich hin spielen, aus einer Zeit, als auf dem Dorf noch verräucherte Kneipen mit dem Anspruch existierten, die Atmosphäre eines New-Yorker- oder Pariser-Jazzkellers ins heimatliche Posemuckel (in diesem Fall Osterholz-Scharmbeck) zu holen. Hat einen ganz eigenen Drive, dem Exzesse fremd sind, der aber spielfreudig Kopf und Beine über die gesamte Spielzeit bei Laune hält. Leider sehen das die Quasselstrippen an den umstehenden Tischen nicht genauso und sorgen für eine so unsinnige wie ablenkende Geräuschkulisse. Unabhängig davon ein hörenswerter und hörbarer Live-Mitschnitt.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.07.2011
Norbert Drogies
Jürgen Drogies
Jürgen Drogies
Serge Weber
Junior Weerasinghe
Jürgen Drogies, Rainer Neumann (sax.)
Sireena Records
73:21
08.07.2011