Unauffällig startet der Norweger seinen Songwriter-Reigen mit "One Step Up"; die Messlatte für Genrekollegen legt der dem Titel zum Trotz nicht eben höher an, doch sein Charme lässt Freunde des poppigen Tiefgangs nicht unberührt.
"Darling" setzt mit Streichern gleich darauf einen Glanzpunkt, während "Over You" nicht weniger opulent (Refrain!) um die Gunst der Oldie-Radiohörer buhlt, die der Gebrochenheit der besten Schoten von SIMON & GARFUNKEL etwas abgewinnen können, wobei … So staubig vintage klingt THOM HELL gar nicht, nein. In "Try" vermag er sogar, relativ kräftig auszuteilen, was auch Indie-Affine zu schätzen wissen dürften. Dass man ohne BEATLES-Assoziationen nicht auskommen wird, um "This is Thom Hell" habhaft zu werden, dürfte klar sein, genauso wie der deutliche Anklang von Phil Spector ohne zu viel Zucker. THOM kann's ja auch relativ minimalistisch, etwa in "Don't Leave Me Heather" und "Leave", wohingegen "Tired" leicht countryesk anmutet und "Right Here Now" zu Tränen rühren will. Nun ja, man kennt es zu gut, als dass man sein Taschentuch noch zücken müsste. Dass HELL - ganz ohne LoFi-Unerträglichkeit und die ekligen Elektro-Gebahren dilettantischer Laptop-Folkies - in seiner Heimat mit dem Grammy bedacht wurde, ist allerdings mit Recht geschehen.
Das verhuschte "Love Is Easy" legt außerordentliche Spannung an den Tag; hier war ein ausgekochter Arrangeur am Werk, der sich allerdings auch frei von der Leber weg freuen kann ("Lonely") und bis zum Ende hin bei der Stange hält. So sind gerade "My Heart Is Longing For A Soul" und "All Good Things" echte Highlights und gleichzeitig zum Anspielen angeratene Tracks.
FAZIT: THOM HELL entspricht eher der deutschen als der englischen Bedeutung seines Nachnamens. Der Nordmann besticht durch eine stichhaltige Aufarbeitung all dessen, was von CAT STEVENS bis JEFF BUCKLEY gut war, ist und bleibt: Songs über Liebe, Schmerz und das ganze Kleinklein, das den unentwegten Menschen antreibt, auch wenn er immer wieder auf die Fresse fliegt.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.05.2011
Thom Hell
VME / Soulfood
52:28
27.05.2011