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Tides From Nebula: Earthshine

Stil: Post Rock / Ambient

Cover: Tides From Nebula: Earthshine

Blickt man in die qualmigen Linien, die sich vor dem Grund eines orangeroten Horizonts ausbreiten wie schwarze Milchwolken in einem Wasserglas, so ist der Gedanke an OCEANSIZEs "Effloresce" auf der Stelle präsent. Risikobereitschaft, Furchtlosigkeit, Spontaneität und der Mut zur grenzenlosen Ausbreitung verstecken sich hinter einem abstrakten Gebilde, das auf Großes hoffen lässt.

Wo OCEANSIZE aus dem Stand heraus eine neue Art von "Manchester Sound" etablierten und die Szene gehörig auf den Kopf stellten, könnte den Warschauern von TIDES OF NEBULA wenigstens eine Revolution im Kleinen gelingen: Ihr Zweitling "Earthshine" bietet durch die flüssige Verquickung von Post-Rock- und Ambient-Fragmenten genug Andersartigkeit, um nicht hoffnungslos im Meer des Instrumentalrocks zu ertrinken.

Anstatt das sehr beliebte Laut-Leise-Spiel zu betonen, wird viel Wert auf schleichende Übergänge gelegt. Zwar sind Stillschweigen und harte Bandagen als Extrempole durchaus vorhanden, jedoch wird der Entstehung des Lauten aus dem Leisen – oder umgekehrt - viel mehr Bedeutung beigemessen als bei der Konkurrenz, was das Album fließender wirken lässt. Hilfreich dabei ist die Grundierung mit den angesprochenen Ambient-Elementen, die der Produktion Hintergrund, Tiefe und Dichte verleihen.

Vollkommen andersweltlich wird natürlich nicht musiziert. Eckpunkte sind beispielsweise bei den auch für CASPIAN charakteristischen, flirrenden Slides zu finden, bei den MONO nicht unähnlichen Hoffnungsschimmern oder bei Bassläufen, die sich plötzlich mit herunter gestimmten Gitarrenriffs zusammentun und kurzzeitig, in einem Moment des Erwachens, an eine Wiederauferstehung der kürzlich gefallenen ISIS glauben lassen ("Siberia"!). Und das sind sicherlich alles Reminiszenzen, die man nicht ungern auf einem Album vereint sieht.

FAZIT: Von A bis Z durchdachte, ausnahmslos funktionierende Melange aus Ambient und Post Rock, die mit Atmosphäre geradezu durchtränkt ist. "Earthshine" weckt die Sehnsucht nach noch mehr von der gleichen Sorte, so, als seien die Gewässer noch zu klar, um sie unerforscht zu lassen, als müsse der milchige Nebel noch tiefer in die See stechen, um sie im Ganzen zu erforschen.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.04.2011

Tracklist

  1. These Days, Glory Days
  2. The Fall Of Leviathan
  3. Waiting For The World To Turn Back
  4. Caravans
  5. White Gardens
  6. Hypothermia
  7. Siberia
  8. Cemetery Of Frozen Ships

Besetzung

  • Bass

    Przemek Weglowski

  • Gitarre

    Adam Waleszynski, Maciej Karbowski

  • Schlagzeug

    Tomasz Stolowski

  • Sonstiges

    Maciej Karbowski (Synthesizer)

Sonstiges

  • Label

    Mystic Production / Soulfood

  • Spieldauer

    53:06

  • Erscheinungsdatum

    06.05.2011

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