Kommen wir zum zweiten Teil der TOEHIDER-Werkschau (die Rezension zum ersten Teil ist unter dieser verlinkt). „The Last Six“ beinhaltet die letzten sechs der zwölf EPs, die Bandkopf Mike Mills innerhalb eines Jahres aufgenommen hat. Wieder bekommt der Hörer die kreative Urwüchsigkeit des Australiers in beeindruckender Manier um die Ohren. Geblieben sind die QUEEN-Anleihen, die schon auf „The First Six“ deutlich wurden. Vor allem der „weihnachtliche“ Teil klingt wieder verdammt nach der Mercury/May-Kreativphase in den Siebzigerjahren. Die orchestralen Gitarrenarrangements, der mehrstimmige Gesang, der Rock, der während QUEENs Pop-Phase leider in den Hintergrund getreten ist, und die Dramatik der alten Kompositionen finden sich hier wieder. Ansonsten wird selbstverständlich wieder eine riesige Spannbreite an Einflüssen deutlich.
Mike Mills ist ein Eklektiker vor dem Herren. Er beherrscht die detailreich ausgearbeitete, höchst Eingängige Rock- und Breitwandprog-Schule ohne dabei so großtuerisch ans Werk zu gehen wie in etwa AYREON. Dazu gibt es entspannten Ambient zu horchen, der von Piano, Synthetiktupfern und Orgelgedröhn aufgeputscht wird. Oder schleppend schleifenden Doom-Rock der alten Schule. Oder pompösen, melodischen Metal. Oder ruppiges Punk-Gerödel - selbstverständlich viel zu perfekt dargeboten um als authentisch durchzugehen. Aber ganz egal: Großen Spaß soll es halt machen. Und das tut es. Wer bisher den Longtrack vermisst hat, bekommt diesen in Form der letzten EP zu hören. Nach kurzer musikalischer Rückschau auf die bisherigen EPs zeigt „Done And Dusted“ einen Querschnitt durch bisher Erschaffenes und erfüllt somit ein Klischee und die Erwartungen.
Man fragt sich manchmal, wo Tausendsassa Mike Mills einmal hinmöchte. Ist er wirklich nur der kreative Irre, der komponieren muss, um nicht den Verstand zu verlieren? Ein Musiker mit so viel Talent müsste eigentlich früher oder später Erfolg haben, jedenfalls innerhalb des Rahmens, der mit Musik, die nicht radiotauglich ist, möglich ist. Dafür wirkt TOEHIDER aber noch zu sehr wie ein Spaßprojekt, das zwar immer wieder als musikalische Achterbahnabfahrt taugt, aber aufgrund eines fehlenden roten Fadens emotional nicht auf Dauer binden wird. Vielleicht gibt ja das nächste Album, das nicht aus verschiedenen EPs besteht, sondern auch als Album konzipiert wurde, Aufschluss darüber, wo die Reise mit TOEHIDER hingehen wird. Die Rezension findet ihr in Kürze auf dieser Website.
FAZIT: Kreativschub Teil zwei. Ansonsten wird hiermit auf das Fazit von „The First Six“ verwiesen:
Das kompositorische Talent von Mike Mills ist wirklich beeindruckend. Wenn TOEHIDER einen Stil imitieren, lassen sie nicht nur eine geschickte Dosis Ironie einfließen, sondern spielen einen großen Teil derjenigen Bands an die Wand, die in ihrer eigenen Genreschublade hauptberuflich tätig sind. Wenn man dann noch bedenkt, in welch kurzer Zeit all dieses Material entstanden ist, wird einem schon etwas mulmig in der Magengegend. Ein in sich geschlossenes Album entsteht auf diese Weise selbstverständlich nicht, aber über zwei Stunden beste Musikunterhaltung, die vom Gitarrenhelden über den Metalhead bis zum Prog-Schnitzel so ziemlich jedem Spaß bereiten dürften.
P.S. Einen Punkt weniger gibt’s übrigens für die mitunter etwas ausufernden Ambient-Parts, die dann doch für das eine oder andere Gähnen sorgen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.11.2011
Amy Cambell
Mike Mills, Amy Cambell, Lachlan Barclay
Mike Mills, Lachlan Barclay
Ricky Evensand
Eigenproduktion/Just For Kicks
130:48
11.11.2011