Track 8: "Wheels Turn". Haha, ein guter Witz. Kurz vor Zwölf geben die gnadenlos in den Erdboden gezerrten Dröhnriffs, die ohnehin die zurückliegende Dreiviertelstunde nicht gerade mit viel Tempo unterwegs waren, endgültig den Geist auf. Das quälende Gezerre mündet dann in dem Sargdeckel "Supernoid", eine Sloooooooowtemponummer vor dem Herrn, die Erinnerungen daran weckt, wie damals Klempner-Azubi Werner mit seinem Moped unter Schmerzensschreien des Auspuffs den Hügel erklomm, um eine Gasflasche zu transportieren. Man möchte unbedingt sehen, wie die Gasflasche sich entzündet und zur Rakete verwandelt, um dieses elendsarme Gefährt endlich in den Himmel zu hieven und von seiner erbärmlichen Erdgebundenheit zu erlösen. So schaut's auch aus mit "II".
Diese absolut gnadenlose Slowmotion-Sickness, die das norwegische Dreigespann auf der Zielgeraden auffährt, entbehrt nicht eines gewissen Reizes, denn eine noch wörtlichere Umsetzung von "Heavy Rock" ist unvorstellbar. "II" ist eines dieser Alben, die so klingen wie das Schleifen eines Mannes, der über eine Eisenkuppel läuft und gerade noch einen kindsgroßen Magneten verspeist hat.
Was die Instrumente anbelangt, ist alles zur absoluten Uniformität verschmolzen: der Bass dient allenfalls dem Hall, das Schlagzeug scheppert beharrlich vor sich hin und Ihro Noisyness, die Gitarre, zeigt nicht die geringsten Absichten, mal aus ihrem Königreich der Untersteuerung herauszukommen. Hauptsache, tief. Und der Gesang geht mit ihr eine schreckenerregende Allianz ein. Soweit das tonnenschwere Outfit.
Problem an der Sache: zunächst mal geht alles eher im Midtempobereich vonstatten, und so monströs dreckig und wertig der Klang nun auch auf den Hüften liegen mag, kompositorisch ist's eine müde Fertigmischung. Stoner-Allgemeinplätze werden angeschnitten, Songkonturen verlieren ihre Form im flüssigen Feuer der Kernschmelze. Dass doch irgendwie alles gerade noch im Normaltakt bleibt, lässt den an sich herrlich kernigen Sound über 70 Prozent routiniert und gelangweilt wirken. Irgendwie, so möchte man einwenden, gehört das alles doch noch eine Spur langsamer. Damit würde man zwar alles vergraulen, was Ohren hat, aber dann wäre das eben so; Truppen wie SUNN O))) sind auch nicht gerade Grazien. Die TOMBSTONES musizieren über weite Strecken gerade eben unterhalb des Querschnitts – ein bisschen schwerer, ein bisschen dunkler, aber zu inkonsequent, um wirklich alle Konventionen über Bord zu werfen. Das gelingt erst in der zweiten Hälfte; wenn "Realms of Oblivion" ausklingt, erfüllt erstmals die Coolness des Pusteausrocks die Luft.
FAZIT: Grundsätzlich ein schön schwer im Magen liegender Brocken, für den man auch gerne mal einen Obstgarten links liegen lässt. Die Distortion von allem, was hier elektrisch klingt (die Gitarre, irgendwie ja auch die Stimme), gewinnt man schnell lieb. Die Gleichförmigkeit eines Löwenanteils der Songs gereicht aber allenfalls der anspruchslosen Hintergrundberieselung. Das Ohr streckt sich erst wieder aufrecht, wenn die Norweger es am Ende komplett übertreiben, nur ist die Sache dann schon beinahe gelaufen.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.02.2011
Ole Christian Helstad
Bjørn-Viggo Godtland, Ole Christian Helstad
Bjørn-Viggo Godtland
Jørn Inge Woldmo
Transubstans Records
45:40
28.01.2011