Dass die beiden Exzentriker hinter dieser zur Marke gewordenen Combo sich die Kritk von zuletzt zu Herzen genommen hätten, war nicht zu erwarten. Dennoch ist "Generation Zombie" trotz seines bewusst Geschmacksache bleibenden Gesamtsounds eine stärkere Scheibe geworden als "Dead@Last".
Gleich "Twisted Heart" gefällt als Mischung aus SAINT-VITUSschem Finsterrock und Kauz-Metal (early-MANILLA-ROAD-Pappdrums). Im HAWKWIND-Wiedergänger "Men vs. Machine" wie während "Hit & Run", einer außer Kontrolle geratenen Achtel-Geisterbahn, spielen TOUCH THE SPIDER mit Geräuschsamples, die der Musik einen Hörspielcharakter verleihen, aber eher psychedelisch schrullig als albern wirken - und "St. Valentine's Day Massacre" … hatte man hier eklektischen Lärm im Sinn, etwa MY BLOODY VALENTINE? Unüblicherweise steht der Anspieltipp in Gestalt des sphärischen Antreibers "Honeymoon" am Ende - THE CULT übergeben sich auf einem frischbezogenen Ehebett.
"Forsake me not" tönt hingegen wie TYPE O NEGATIVE aus der Mülltonne und endet mit geschmackvoll verhalltem Gitarrenspiel. Zudem scheint das Duo Surf-Sounds entdeckt zu haben, wie es an mehreren Stellen andeutet. Andererseits sind erklärte Vorbilder, allen voran aus dem Horrorpunk-Nimbus, dem klassischen Twang ebenfalls verhaftet, sodass der Schulterschluss Sinn ergibt. Hörbar wird er im melancholischen "Golden years" und dem spacigen "The return of the revenant"
"Haunted House" und "Twenty-one" klingen nach abgründigem Metal, ersteres gar dank der Produktion obendrein nach experimentellem Industrial. Betonen sollte man dabei jedoch, dass sich TOUCH THE SPIDER nach wie vor als treffsichere Songwriter herausstellen, denn nicht nur, dass alle Lieder einen eigenen Charakter besitzen - nein, sie reißen auch ausnahmslos mit, jeweils auf andere Weise und unter Miteinbeziehung verschiedener Stimmungsbilder. Dass man anderswo mies bewertet wird, liegt am herrlichen Widerstreben der zwei Künstler, denen in einem immer unpersönlicher und erfolgsorientierter werdenden Metier nichts über Starrsinn und Selbstverwirklichung geht. Dazu passt, dass man das Teil gratis abgreifen kann: http://www.touchthespider.info/Download.html
FAZIT: "Generation Zombie" zeigt TOUCH THE SPIDER nicht als redundante Doomrocker, sondern bezieht neue Elemente mit ein, die es zu einem abwechslungsreichen und nahezu spartenfreien Album machen. Wer seine Freude am Skurrilen hat und mit dem Wort Liebhaberstoff nicht an rote Seide fürs Himmelbett denkt, muss diese Überzeugungstäter unterstützen. Hallo Schreiberkonkurrenz: Ihr habt nichts kapiert!
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.12.2011
Unholy Ghost, Cosmic Energy
Whereareyoufromrecords
45:25
11.11.2011