Unser wöchentlich Plastik gib uns heute. ALLEGAEON sind mal wieder eine solche Band, bei der man sich fragen darf, wie viel Gefühl, Song und Power noch übrig wären, wenn man statt der hier zu hörenden, den Loudness War unerbittlich kämpfenden Produktion eine Version der Scheibe zu Ohren bekäme, bei der man die Kompressoren und die Trigger deaktivieren würde und generell den ganzen digitalen Füllstoff wegließe.
Der Haufen aus den Juh Äss of Äi hat ganz klar gute Ideen, die technischen Skills sind famos, aber das Schlagzeug tuckert und klackert dermaßen monoton, gleichförmig und aufdringlich alles nieder, dass es keine Freude mehr ist, dem Treiben zu lauschen. Viel lieber möchte man sich die Ohren spontan abtrennen. Gleiches gilt für die anderen Bestandteile des Klanggefüges: Die Gitarren werden bis zum Anschlag aufgerissen, sodass die Riffs zu Brei gekloppt werden, die schönen Melodien und Soli werden durch Einheitsklang zu kaltem, seelenlosen Gefrickel, und die Vocals springen einem in etwa so unangenehm ins Gesicht wie ein nackter Landstreicher mit dem ungewaschenen Hinterteil voran.
Aber selbst wenn man sich einen organischeren, dynamischeren Sound zurechtdenkt, mag „Formshifter“ nicht so recht funktionieren. Die Idee, Göteborg-Melodietod und US-Gekloppe mit futuristischen Elementen aufzupeppen und mit proggigen Songstrukturen zu versehen, ist durchaus nett, wenngleich heuer unoriginell, doch hier verzetteln sich ALLEGAEON leider allzu oft in selbstverliebten Instrumentaleskapaden.
FAZIT: Auch Dauerfeuer will gelernt sein. Im Falle dieses Gespanns setzt eher ein Zustand der Ermüdung ein, nicht etwa des Geplättetseins.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.05.2012
Corey Archuleta
Ezra Haynes
Ryan Glisan, Greg Burgess
JP Andrade
Metal Blade
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04.05.2012