So kann man einen Albumrelease auch ausdehnen: Einfach drei EPs statt einer LP veröffentlichen. „Schere“ stellt hierbei den ersten von drei Teilen der „Schere, Stein, Papier“-Trilogie dar. Vorliegende EP der Heilbronner ist demnach das „Schnick“, auf das noch ein „Schnack“ und das abschließende „Schnuck“ Folgen wird.
Musikalisch ist das Ganze weniger spektakulär. Vielmehr wird hier die DIE TOTEN HOSEN- und DIE ÄRZTE-Klientel angesprochen, und wenn man SPORTFREUNDE STILLERs Gitarrenverstärke mal voll aufdrehen würde, könnte selbst jener Vergleich hinhauen. Im Opener „Vor ein paar Jahren“ schwingt anfangs zwar noch etwas Indie Rock mit, und und in „Ich lieb' dich nicht mehr“ kommt sogar etwas Metalattitüde zum Vorschein, doch die kaum mehr als zweiminütige Nummer „Wo sind die Akkorde“ hätte genau so gut von Bela, Farin und Rod stammen können. Alle drei Nummern besitzen allerdings ordentlich Bums, verfügen über starke Melodien und rechtfertigen damit ihr Dasein.
Verzichtbar ist hingegen der Remix des Tracks „Ich lieb' dich nicht mehr“, was weniger am Stil (Dubstep + Punkrock + Big Beat) liegt, sondern eher an der billigen Umsetzung. Nicht jedes Bum-Tschak-Wobwobwob macht auch gleich eine gute Dubstep-Einlage.
FAZIT: Brauchbare Band, die allerdings diesen Schnickschnack mit Schnuck keinesfalls nötig hätte. Das nächste Mal bitte gleich ein Album mit Essenz - und wenn's nur acht oder neun Songs sind.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.12.2012
Philipp
Oli, Philipp, Sascha
Oli
Sascha
I Like My Records/Tonpool
12:57
26.10.2012