So untypisch der in seiner Heimat äußerst umtriebige Sänger Andy Belej vom Cover von „Lonely“ dreinschaut ist die Mucke darauf, so man einen Maßstab für Gesangsjazz anlegt, nicht unbedingt ausgefallen – doch dafür kokettiert sie teilweise aufs Angenehmste mit Populärmusik, wie diese eigentlich sein sollte.
Das mit einem „So What“-Vibe behaftete „True Love“ bietet einen gelungenen Einstieg, was dieses mutmaßliche Anliegen betrifft. Der Mann aus der Ostslowakei bemüht oft rockige Hooks und lässt sich von schmissigen Rhythmen begleiten, zumal Cicon nicht selten den E-Bass zupft oder slappt, wenn es passt. Der R'n'B „Cinsky Drak“, vorgetragen in Belejs Muttersprache, erweist sich sogar als knalliger Hit-Anwärter.
Die Instrumentalisten agieren oftmals unkonventionell und brechen die bewährten Liedschemata auf, Organist Spiner etwa mit angehaltenem Klavier-Bordun oder durch schwebend versonnene Strukturen wie im Titelstück. Der Abschluss „Valiant Knight“ ist der einzige balladeske Vertreter, überrascht aber zum Schluss mit einem unverhofften und anders als bei einer Vielzahl von krampfhaften Sonnenscheins stilvollen Schwenk gen Latin.
„Maps Of Your Skin“, einer der Höhepunkte auf „Lonely“, ist einer der quirligen Songs (das kämpferische „There Is No One“ gehört ebenfalls dazu) mit Glückshormonen kurz vorm Überschäumen, dank der vordergründigen Gitarren und Orgel klanglich recht allgemeingültig. Man käme selten darauf, dass die Macher aus dem Jazz-Umfeld stammen, so man es nicht wüsste. Stücke wie „Crying“ zeigen eher eine edle Songwriter-Seite des Frontmanns mit hörenswert gecroontem Text; inhaltlich hat Belej sowieso Wege abseits des Trivialen, aber auch keine verstiegenen Pfade gewählt, denn was ist schon haptischer als „everlasting love“, die er in „La La La“ bezogen auf die Kunst der Musik thematisiert?
FAZIT: Einfache Musik gibt es für alle Altersklassen und Gelegenheiten, doch nur wenige Künstler schaffen so erwachsene und zeitlose Stücke wie Andy Belej, wobei die Ausführung auf „Lonely“ nichts weniger als handwerklich herausragend ausfällt. Zwischen Rock ohne Zerre und einer jazzigen Herangehensweise ist Platz für gute Kunst – anders als die Stilpolizei kolportiert …
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.09.2012
Vilo Cicon
Andy Belej
Peci Uher
Dano Spiner
Viliam Stanek
Majo Gapa Garbera (Saxofon)
Hevhetia / Hev-Het Tune
50:26
06.06.2006