„Donaflor“ - klingt wie eine Blumenerde-Marke. Doch das, was in dem mit ein Dutzend Songs vollgestopften Sack steckt, ist alles, nur kein Konsumgut, das man europalettenweise zum Dumpingpreis beziehen kann, sondern ein feines Stück lateinamerikanischer Jazz mit ausgewählten Zutaten.
Über allem thront der überwiegend brasilianische Gesang Anne-Florence Schneiders, der klar und warm, mehr „mitten aus dem Leben gegriffen“ als „divenhaft die grande dame mimend“ klingt, und man fühlt sich sofort pudelwohl in den liebevoll arrangierten Nummern, die, bestückt mit afrokubanischer Musik, Bossa Nova, Jazz und Samba, einen unwiderstehlichen Groove erzeugen - oder in angenehm lauschiger, ruhiger Manier ein edles Gefühl der Romantik und Idylle verbreiten. So entsteht ein angenehm intimes Clubfeeling, zumal dieses Album von Anfang bis Ende so wirkt, als sei man für die Aufnahmen nicht etwa ins Studio gegangen, sondern hätte in einem klanglich perfekt ausgesteuerten Jazzkeller einfach den Auftritt mitgeschnitten und die Zuschauer um absolute Stille gebeten.
Doch anstatt nur einen auf Easy Listening zu machen, trauen sich die singende Schneiderin und ihre Mitmusiker immer wieder, mit kleinen Spielereien und Kürübungen ein paar Überraschungsmomente einzustreuen, was ihnen auch hervorragend gelingt.
FAZIT: „Donaflor“ ist eine Momentaufnahme des anspruchsvollen und doch eingängigen Jazz mit viel brasilianischem Feuer und versprüht Wärme, Spielwitz, Temperament, Erhabenheit - und auf seriöse Weise auch ein wenig Sexiness. Da kann einem nur das Herz aufgehen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.08.2012
Dudu Penz
Anne-Florence Schneider, Dudu Penz
Dudu Penz, Claude Schneider, Ademir Cândido
Eduardo Costa, Mauro Martins
Chris Wiesendanger (Piano, Orgel), Floriano Inàcio (Piano, Cavaquinho), Rodrigo Botter Maio (Flöte), Thomas Silvestri (Piano), Daniel Pezzotti (Cello), Jonathan Allen (Violine)
Unit Records
56:29
17.08.2012