Auf die eingespielte Truppe des bekennenden Blackmore-Fans ist bekanntlich Verlass, daher hat sich auch auf dem mittlerweile 15. Studioalbum (zählt man die reine Cover-Scheibe "Diamonds Unlocked" mit) von AXEL RUDI PELL nichts geändert, weder optisch noch akustisch. Diese Aussage dürfte allen Fans als Kaufempfehlung genügen, wenngleich sie natürlich auch diesmal wieder nicht wortwörtlich zu nehmen ist.
Wie erwartet halten sich also auch auf "Circle Of The Oath" die Neuerungen in überschaubaren Grenzen und sind fast ausschließlich im Detail zu finden. Zwischen dem Material im absolut vertrauten Gewand, welches wie gehabt und ausnahmslos sofort ins Ohr geht und allein schon durch die Qualität der einzelnen Musiker nie nach 08/15 klingt, wie "Run With The Wind", "Fortunes Of War", "Bridges To Nowhere" oder der zehnminütigen, getragenen "The Masquerade Ball"-Fortsetzung namens "World Of Confusion", finden sich dennoch ein paar Überraschungen und Besonderheiten, die das Album einzigartig machen.
Nach kurzem Intro erweist sich der Einstieg mit "Ghost In The Black" etwa als erstaunlich rasant und mit einem Riff, derart man sich einige gut auf der demnächst erscheinenden neuen RUNNING WILD vorstellen könnte. Trotz der unverwechselbaren Trademarks wie Johnny Gioelis Charakterstimme und dem wechselseitigen Solieren der Instrumentalisten eines der härtesten Stücke der Band, versehen mit einem "Das-habt-ihr-wohl-nicht-erwartet"-Effekt.
Bei "Before I Die" stechen die teils kantigen Strophen und der ungewöhnliche Gesang hervor, und auch der Titelsong ist keineswegs von der Stange. Zu Beginn sehr minimalistisch mit folkiger Akustikgitarre instrumentiert, klingt der 9-Minüter anfangs wie eine Jon-Bon-Jovi-Ballade, die sich zwischenzeitlich zu einem epischen Stampfer mit orientalischer Untermalung steigert. Und bei der Songlänge liefert er reichlich Platz für intensive Solostrecken des Meisters, inklusive kleiner akustischer Spielereien.
Das eindringlich schleppende "Bridges To Nowhere" ist weiteres Material mit unverkennbarer Handschrift, das ebenso wie die anschließende Ballade "Lived Our Lives Before" neben der eindrucksvollen Gitarrenarbeit von einem inbrünstigen Johnny Gioeli überstrahlt wird und zudem für größtmögliche stilistische Abwechslung im AXEL RUDI PELL-Kosmos sorgt.
Im direkten Vergleich zum Vorgänger "The Crest" ist der Sound übrigens etwas wärmer ausgefallen und hat mehr Tiefe; das Schlagzeug etwa klingt wuchtiger. Ein Grund mehr dafür, dass das neue Album noch einen Tick besser zu gefallen weiß als die letzten beiden.
Fazit: Vielschichtigen Hardrock in der Tradition von RAINBOW und DEEP PURPLE hört man heutzutage kaum besser als bei AXEL RUDI PELL. "Circle Of The Oath" ist der nächste eindrucksvolle Beleg, auf dem man dabei nur zu gerne auf irgendwelche Innovationen verzichtet.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.03.2012
Volker Krawczak
Johnny Gioeli
Axel Rudi Pell
Ferdy Doernberg
Mike Terrana
Steamhammer/SPV
59:25
23.03.2012