Die Vergleiche mit IGGY POP und den NEW YORK DOLLS kommen nicht von ungefähr, wenn man sich den ersten Output des New Yorkers DEVIN zu Ohr nimmt. Seine Wurzeln hat auch dieser junge Mann eher in den Siebzigern, als Teile der Rock'n'Roll-Szene so langsam eine rotzige Punkattitüde angenommen hatten. Doch im Sound, der mit „Romancing“ gefahren wird, findet sich auch sehr viel urwüchsiger Rhythm'n'Blues und Soul (nein, nicht das US-Top 40-Zeugs, sondern das ungeschliffene aus Woodstock-Zeiten).
Ebenso lassen sich viele Einflüsse aus den Fifties und Sixties ausmachen, und wenn man sich den Bengel auf dem Cover so ansieht, könnte man glauben, ihn hätte es direkt per Zeitmaschine ins Jetzt katapultiert. Ähnliches kann man auch vom Sound sagen, der schön retro, schön kantig und unverfälscht belassen wurde. Keine Noisegates, keine Kompression, nur Instrumente und Gesang pur, mit dem Eigenklang in den Pausen, mit Luftholen zwischen den Zeilen und mit dem typischen Hall der Rock'n'Roll-Ära. Und wer die Schweden EATING PEBBLE kennt, bekommt hier stellenweise eine nicht ganz so verzerrte und überdrehte Version der Indie-Rocker geboten.
DEVIN rockt aber nicht bloß straightforward durch sein zwölf Songs umfassendes Album, sondern wagt auch mal die ein oder andere sperrige Nummer, die sich anfangs weigert, zum Ohrwurm zu mutieren. Die leicht fistelige Stimme des Frontmannes trägt durch ihre Jugendliche Natur eine sympathische Infantilität in sich, die sehr gut ins Gesamtbild passt. Nun fehlt nur noch ein auf Retro getrimmter Streifen zu diesem Soundtrack - eine Rock'n'Roll-Romanze, nicht nur für sie, sondern auch für ihn.
FAZIT: Coole Zeitreise.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.05.2012
No Evil/The Orchard
40:57
25.05.2012