Stolze fünf Jahre haben sich die drei Berliner Zeit gelassen, um mit dem „Jazz ist anders“-Nachfolger um die Ecke zu kommen. Und wie gewohnt wird auch diese EP, die neben der titelgebenden ersten Auskopplung des im April 2012 erscheinenden Sechzehntrackers „auch“ zwiespältig aufgenommen. Also alles wie immer bei der Band, die dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiert.
Auf den ersten Hör ist der Opener „zeiDverschwÄndung“ eine ganz schön platte Nummer, die mit einem Groove à la „Fronkreisch, Fronkreisch“ von den BLÄCK FÖÖSS aufwartet, aber letztendlich ist dies wieder so eine beabsichtigte „total banane“-Nummer, wie sie das Trio in seiner Laufbahn schon öfter gebracht hat – inklusive Fan- und Selbstverarschung und einem herrlich DÄ-mlichen Lalala-Refrain. Das Ding muss man eben genau als das nehmen, was es ist. Sicherlich kann Bela B. das besser, aber von seinem zweiten, leider enttäuschenden Soloalbum „Code B“ kennt man weitaus Schwächeres. „Mutig“ ist hingegen ein typischer Farin-Song mit Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Lyrik, geradeaus punkrockend, antiheldenhaft, sich in der Wortwahl bewusst vergreifend, simpel, einfach raus damit, trotz Dampf unterm Arsch mächtig locker – und insgeheim wünscht man sich von den DIE ÄRZTE wieder mal ein paar zornige und boshafte Nummern mehr. Alt werden ist ja eine Sache, aber man muss ja nicht im selben Zuge zu erwachsen werden.
Die eindeutig stärkste Nummer ist das von Rod geschriebene „Quadrophenia“, das mit einer coolen 60er-Beat-Schlagseite daherkommt und man das Gefühl hat, es wachse einem eine Mod-Frisur - und das Geschwür unterm Hintern entpuppt sich als Vesparoller. Gerade der lässige Groove und die ohrwurmträchtige Melodie sind zwei Attribute, die den Song zum heimlichen Hit werden lassen. Den Deckel zu macht dann „Will dich zurück“, das zweite Felsenheimer-Stück, und ehrlich gesagt muss man eindeutig ein Anhänger von Bela-Anwandlungen der Sorte „Wie bekloppt das mal wieder ist!“ sein, denn das beschreibt den mit lässigen Ska-Parts, einem übertriebenen Gitarrensolo, einer spielshowähnlichen Bingbingbing-Melodie und allerlei anderem geistigen Unrat gespickten Song recht gut.
FAZIT: Eventuell benötigt dieses Werk noch eine gewisse Eingewöhnungszeit, was nicht ungewöhnlich ist, aber nach gefühlten dreißig Rotationen lässt sich konstatieren, dass den DIE ÄRZTE mit "zeiDverschwÄndung" eine EP gelungen ist, die weit entfernt ist von gelDverschwÄndung. Bei Bela, Farin und Rod ist das eben immer so eine Sache: Es braucht seine Zeit, bis das Urteil steht.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.03.2012
Rod, Farin Urlaub
Farin Urlaub, Bela B., Rod
Farin Urlaub, Bela B., Rod
Bela B.
Hot Action Records
13:28
02.03.2012