Wendy Dio betreibt weiterhin wirtschaftlich ertragreiche Nachlassverwaltung. Diese Compilation enthält Songs der siebten bis zehnten Veröffentlichung der Soloband von Ronnie James DIO, darunter bekanntermaßen streitbare Alben wie „Angry Machines“. „The Very Beast Of Vol. 2“ verschafft folglich Nicht-Hardlinern einen stimmigen Überblick und bündelt die Konsens-Stücke von den Endneunzigern bis zum Tod des Sängers.
Mit Verlaub, dabei fällt eine Menge unter den Tisch, und selbst das besagte Album mit Tracy G. an der Gitarre ist zumindest für diesen Rezensenten ein starkes, aber wie dem auch sei: „Killing The Dragon“ ist mit dem Titelstück vertreten, ferner dem Highlight „Push“, dem nur guten „Along Came A Spider“ sowie dem austauschbaren „Better In The Dark“, doch ehrlich gesagt fielen in diesem Haushalt keine besseren Alternativen von der Scheibe ein. „Fever Dreams“ vom arg behäbigen „Magica“-Konzeptschwulst war ebenso zu erwarten wie das treibende „One More For The Road“, dem Glanzpunkt von „Master Of The Moon“, gegen welchen „The Eyes“ unterliegt. „This Is Your Life“ und „Black“ hätte man unterdessen unbedingt „God Hates Heavy Metal“ anheimstellen müssen; es würde einen weniger kriecherischen Eindruck machen als David Feinsteins „Metal Will Never Die“, hier ein Bonustrack, ursprünglich vom halbgaren Soloalbum „Bitten By The Beast“.
Was braucht ihr noch? Entbehrliche Live-Versionen wie „Hunter Of The Heart“, von dem man sicherlich eine exklusive Fassung und nicht jene von „Inferno“ hätte verwenden können, oder doch lieber einen Japan-Bonus in Form von „The Prisoners Of Paradise“, dem einzig einigermaßen raren Stück auf dieser Zusammenstellung. Das Cover ist cool, das Booklet reich bebildert (Prost, Ronnie!), und die Musik spricht für sich, aber wer die Chose außer Die Hards kaufen soll, bleibt fraglich.
FAZIT: „The Very Best Of Vol. 2“ stellt DIO-Hits und Kuriositäten aus der zweiten Reihe zusammen. Die Umsetzung zeugt von Würde, die Songs sind selbstredend, aber eine eigenehende Beschäftigung mit dem Vermächtnis des Künstlers kann nur über die Studioalben erfolgen – und das Konsens-Zeug wird dem Gelegenheitshörer hier völlig fehlen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.10.2012
Ronnie James Dio
Niji Entertainment
57:24
05.10.2012