Zurück

Reviews

Direction: Va

Stil: Progressive Rock

Cover: Direction: Va

Québec besitzt eine lange Historie beeindruckender und mitunter schrulliger Rockbands, im Metal-Bereich allen voran natürlich VOIVOD, im Prog-Sektor KINESIS, HARMONIUM, OCTOBRE oder eben diese neueren, aber alt klingenden Protagonisten mit einem Hang zu Doppelalben mit knappen Titeln. "VA" oder "Va" für "Gehe" (in V-Seite und A-Seite unterteilt) erzählt nun die Geschichte eines gewissen Alex, die man gern in einem Booklet (gibt nur einen Einleger) hätte ausbreiten können; schließlich haben DIRECTION zahlreiche professionelle Sprecher angeheuert, um die Story in den hörspielartigen "Scènes" zu erzählen.

Selbige Zwischenspiele sind auch der Pferdefuß dieses Unterfangens, denn ohne sie bliebe ein kompaktes und mitunter sehr songstarkes Album mit überschaubarer Spielzeit und ohne Intellektuellen-Dünkel übrig. Ohrwürmer wie "Dressage" und "Chrono" sowie immer wieder der Chris-Squire-Gedächtnisbass wirken anheimelnd, und das kräftige "L'affrontement" ganz am Ende - der Titelsong fällt mit fast zehn Minuten zwischen Songwriter und Epic Prog voraussehbar aus - ist ein weiterer Höhepunkt. Dem akustischen Instrumental "L'attente" und dem zunächst dramatischen, dann durch Papp-Drums versauten "Déchet" fehlen hingegen der Schmiss.

Das sachte "Abattu", das von Synthesizern getragene, aber nicht nur süßliche "Un bas-fond mouvant" sowie das epische "Il y a quelqu'un?" (Is there anybody out there?) nehmen für DIRECTION ein. Mit der zweiten CD werden die drei Musiker sinfonischer ("Corridor") wie elektronischer ("Sursis"). Unterkühlter Neo-Prog, wie ihn Großbritannien produziert, versteht die Gruppe ebenfalls, wofür das quirlige "La triche" sowie der kleine Hit "Sabotage" Pate stehen.

Dass die Texte auf der Website stehen, wirkt eher billig oder lässt sich auf die frankokanadische Eigenwilligkeit ("Ihr versteht uns nicht? Scheißegal.") zurückführen. Das Konzept wirkt ohnehin insofern zweifelhaft, als dass frappante Leitmotive innerhalb der Story fehlen. Wie gesagt: Ein Teller hätte genügt, dann wäre „VA“ ein auf kompakte Songs ausgelegtes Szenealbum für YES-Fans und Freunde der Frühwerke aus der zweiten Britenloge: PALLAS, IQ et cetera.

FAZIT: „VA“ ist Konzept mit allem Für und Wider – ausgefranst, langatmig und mit einigen Perlen besetzt, die man gut suchen muss. Die exzentrische Aussprache der Québecer ist ein kleines Zubrot für Freunde des Regionalismus, rechtfertigt aber keine uneingeschränkte Empfehlung für Progfans. Kurz gesagt: DIRECTION sind Mittelmaß.

Punkte: 8/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.02.2012

Tracklist

  1. Scène 1
  2. Chrono
  3. Scène 2
  4. Le signal
  5. Scène 3
  6. Abattu
  7. Scène 4
  8. S.O.S. humanité
  9. Scène 5
  10. Un bas-fond mouvant
  11. Scène 6
  12. Il y a quelqu'un?
  13. Scène 7
  14. L'attente
  15. Scène 8
  16. Dressage
  17. Scène 9
  18. Corridor
  19. Scène 10
  20. Sursis
  21. Scène 11
  22. À genoux
  23. Scène 12
  24. La triche
  25. Scène 13
  26. Sabotage
  27. Scène 14
  28. Déchet
  29. Scène 15
  30. L'affrontement
  31. Scène 16
  32. Va

Besetzung

  • Bass

    Marco Paradis

  • Gitarre

    Marco Paradis

  • Keys

    Serge Tremblay

  • Schlagzeug

    Jean-Claude Tremblay

Sonstiges

  • Label

    Unicorn Digital

  • Spieldauer

    120:20

  • Erscheinungsdatum

    25.11.2011

© Musikreviews.de