Der Altmeister ist nicht erst seit gestern wieder auf Kurs, und auch wenn Band-Experten Pilson und Lynch vermissen werden, gilt mit Hinblick auf die aktuelle Scheibe des Yank-Rock-Helden: Besser können DOKKEN 2012 vermutlich nicht klingen.
„Broken Bones“ ist aber nicht einmal eine Dienstleistung, denn die Combo gibt den Fans nicht einfach, was sie sich ersehnen. Inwieweit die Musiker hinter Volldampf stünden, sei dahingestellt. Andererseits möchte jeder Künstler euphorisch wahrgenommen werden, und was liegt da näher, als „Kundenwünsche“ zu erfüllen? DOKKEN gehen zwar nicht alternativ zu Werke wie auf „Dysfunctional“, aber eine gewisse Gesetztheit können die neuen Stücke nicht verhehlen. „Victim Of The Crime“ und „Burning Tears“ etwa kommen ein wenig zu behäbig daher.
Der Uptempo-Opener „Empire“ stellt neben dem melodischen Hit „The Last Time“ ein Highlight der Scheibe dar, nicht zu vergessen das leutselig schleppende Titelstück und der Cowbell-Groover „Best Of Me“ mit klassischem Schlüpferstürmer-Chorus. McNabb tut sein Bestes, seinen virtuosen Vorgänger zu ersetzen, besonders gelungen im schreitenden „Blind“, und nach der vertonten Midlife-Crisis (Latelife? Werden wir nicht zynisch …) „Today“ kommt das schmissige Doppel aus „Fade Away“ sowie „Tonight“ wesentlich frischer.
So bietet „Broken Bones“ knapp mehr Licht als Schatten, und das ist mehr, als man erwarten durfte. Die großen Hits haben DOKKEN längst geschrieben, und Fan-Zuwachs wird ihnen dieser Teller nicht bescheren.
FAZIT: DOKKEN sind eine Hausmarke und im beschränkten Maß auch Selbstläufer. „Broken Bones“, dessen Cover keine Lust auf die Musik macht, ist ein solides Album für Hardrock- beziehungsweise AOR-Fans, zehrt aber vor allem vom Namen des Bandkopfes.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.09.2012
Sean McNabb
Don Dokken
Jon Levin
Mick Brown
Frontiers / Soulfood
47:13
21.09.2012