„Oh, was ist denn da passiert?“, ist der erste Gedanke, der sich bei DRAGGED INTO SUNLIGHTs zweitem Album durch das Gehirn frisst. War das Debüt „Hatred For Mankind“ eine der hässlichsten Death-Doom-Scheiben der letzten Jahre, scheint man jetzt auf anderen Pfaden zu wandeln. Lediglich ein Song, der pro forma in drei Parts unterteilt wurde, ist auf „Widowmaker“ enthalten.
Pling, ein einzelner trostloser Gitarrenton eröffnet das Album, unverzerrt, ohne Hall. Aus ihm entstehen zunächst Gitarrenakkorde, dann Melodien, dazu kommen kurze Sprachsamples und eine Violine, das Frust-Instrument schlechthin. Satte 15 Minuten nehmen sich DRAGGED INTO SUNLIGHT Zeit, bis im zweiten Teil unvermittelt doch das Inferno losbricht. Dafür aber umso heftiger und brutaler. Eine 743 Kubikmeter große Geröll-Lawine verschüttet den Hörer und während kaum Luft zum Atmen bleibt, kommt das eiskalte Wasser und macht das Gefangensein zur endgültigen Hölle. Oben auf der Geröllhalde steht unbeeindruckt die Band und groovt, mahlt und hämmert sich durch ihren Song, der keinen Regeln folgt, keine Strophe, kein Refrain, ein Sänger der verzweifelt gegen den Lärm anbrüllt, Feedback-Orgien, FUDGETUNNEL-Rhythmik und wenn dann das Bewusstsein schwindet, nimmt die silberne Maschine HAWKWINDs das Opfer mit ins All. Part 2 over. Der Hass auf die Menschheit und der Ekel vor ihr hat sich bei DRAGGED INTO SUNLIGHT nicht verflüchtigt und so endet „Widowmaker“ in doomigen Gefilden, böse, aber im Vergleich zum Mittelteil eher unspektakulär.
FAZIT: Das zweite Album von DRAGGED INTO SUNLIGHT ist keine klare Fortsetzung des Debüts, mit dem überlangen Song wagt man viel, da hier ganz sicher keine Über-Musiker am Werk sind, aber das vermittelte Gefühl zählt. Und das ist unverändert negativ bis zum Exzess, bis ins Sonnenlicht ist noch ein weiter Weg.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.11.2012
C
T
A
J
Prosthetic Records
39:50
09.11.2012