Wenn sich eine Plattenfirmen-Info nahezu ausschließlich mit der Vergangenheit einer Band beschäftigt und nicht mit dem aktuellen Output, dann ist meistens etwas faul. Im Falle DREAMTALE ist das freilich nicht so: Zu „Epsilon“ finden sich im Waschzettel zwar so gut wie keinerlei Informationen, doch sagt das glücklicherweise nichts über die Qualität des fünften Longplayers des Sextetts aus.
Die Finnen spielen das, was man heutzutage Power Metal nennt, was aber im Grunde genommen sehr melodischer Metal ist, ungefähr an der Schnittstelle zwischen STRATOVARIUS und HAMMERFALL. Es ist insbesondere die Stimme von Erkki Seppänen, die ein ums andere Mal an HAMMERFALL-Sänger Joacim Cans erinnert, während man musikalisch häufig auf den Pfaden der Landsleute von STRATOVARIUS wandelt.
DREAMTALE mixen in ihren zehn Songs Tempo und Härtegräde erfreulich bunt durcheinander. Es gibt den klassichen Strato-Uptempo-Song mit klimpernden Keyboards genau so wie die schnulzige Kitsch-Halbballade oder den Stampfer mit fetten Gitarrenriffs. Zitate von HELLOWEEN (Deris-Phase) finden sich ebenso, und der Beat von „Angel Of Light“ erinnert gar an NIGHTWISHs „I Wish I Had An Angel“. Anders als viele Vertreter des Genres türmen DREAMTALE in ihren Songs keine Keyboardwände auf und verzichten weitestgehend auf 1000 Mann starke Hintergrundchöre. Nein, man kann nicht direkt von „basisch-reduziertem“ Material reden, aber zumindest gibt es keine künstlich aufgepumpten Sounds. Und bietet trotzdem eine ganze Menge an Ohrwürmern.
FAZIT: Es gibt deutlich schlechtere Genrevertreter als DREAMTALE. Wer auf meist flotten, aber nicht eintönigen Power Metal in starker finnischer Machart steht, der macht mit „Epsilon“ nichts falsch.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.10.2012
Heikki Ahonen
Erkki Seppänen
Rami Keränen, Seppo Kolehmainen
Akseli Kaasalainen
Petteri Rosenbom
IceWarrior Records
49:07
28.09.2012