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The Flower Kings: Banks Of Eden

Stil: Progressive Rock

Cover: The Flower Kings: Banks Of Eden

Gleich vorab: Anders als mancher Kritiker kolportiert, haben die fünfjährige Pause und frisches Blut hinter den Kesseln den FLOWER KINGS gutgetan. Die Schweden gehören, wie Mastermind Roine Stolt auf ihrer Website bemerkt, tatsächlich mittlerweile selbst zur Altenriege des Prog und können ohne Verbissenheit musizieren, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist – gern und oft lang.

Nicht zum ersten Mal haut die Gruppe einen Beinahe-Halbstünder als Opener heraus. Stolts Stimme klingt etwas belegt, zumal das Stück zu Beginn auf den Gesang ausgelegt wurde, und macht die Musik der KINGS noch weniger blumig, als sie angesichts der seit je herben Texte des Kopfes ohnehin ist. Nur Oberflächenkratzer unterstellen ihnen weltfremden Fantasy-Kunstrock mit – Schockschwerenot! – „vermeintlich jazzigen Elementen. Falls dieses zwischenzeitlich wirklich vorhanden waren, sind sie auf „Banks Of Eden“ weit in den Hintergrund gerückt. „Numbers verzeichnet vielmehr harte Ausschläge neben sachten Akustikpassagen, in denen Stolt den Crooner mimt, wobei Mellotron und Rhythmusgruppe einen Hauch von Mystik versprühen. Der Kehrvers wirkt sogar gleichermaßen beseelt wie aufbegehrend und geht rasch ins Ohr – beinahe ein Novum für die Band, und das in einem über 25 Minuten langen Epos ohne Redundanzen.

„For The Love Of Gold“ (was ein Buchstabe so alles ausmacht) ist ein typisches Stück für die Band und orientiert sich in puncto Stimmung ein wenig an „Last Minute On Earth“ von „Rainmaker“: versonnen mit einigen Sonnenstrahlen und geschlagener Mandoline (?). Hier sind es die Unisono-Melodien (Gitarre, Keyboard), die für Eingängigkeit sorgen, während Stolt den Geschichtenerzähler gibt. Eine für siebeneinhalb Minuten moderat ausgefallene Instrumental-Bridge platzt geradezu vor Spielwitz.

Trotz des leicht düsteren Anstriches aller Lieder behalten THE FLOWER KINGS ihr augenzwinkernde Art bei. So beginnt das ebenfalls relativ knappe „Pandemonium“ wie GENESIS' „Watcher In The Skies“ und wartet mit verfremdeter Stimme auf, weshalb Stolt ein Zwiegespräch mit einem Roboter zu halten scheint. Der Unterton ist insgesamt ein klagender, der Abgeh-Schluss von einem feurigen Gitarrensolo umrahmt. „For Those About To Drown“ (wo hat man die Gesangs-Hookline entlehnt, von Kollege Morses „The Light“?) wiegt sich im zynischen Gestus und ist damit mitnichten die Aufbauhymne, die man angesichts des Titels erwartet hätte. Wiederum gilt es, Stolts Texten zu lauschen; Dauernörglern entgeht die Tiefe seiner Schreibe genauso wie die instrumentale Klasse seiner Zusammenrottung, die mittlerweile, da sich jeder abgehobene Alterna-Feingeist Prog nennen darf, ein für diesen Stil schwindelerregendes Niveau erreicht hat – und Retro-Vorwürfe hin oder her: So frisch klingt momentan kaum eine andere Band aus diesem Bereich.

Mit der Ballade „Rising The Imperial“ (PINK FLOYD sagen letztlich doch noch hallo) klingt ein Album aus, dessen Überraschungen nicht stilistischer Natur sind, sondern in der Art der Kompositionen liegen. THE FLOWER KINGS schlagen Haken und Brücken, letztere 2012 erstaunlich geradlinig und aus stabilem Fels (Rock) gehauen. Dass Interessenten gleich die Doppel-CD mit noch einmal so viel Güte verhaften müssen, dürfte klar sein.

FAZIT: „Banks Of Eden“ ist trotz Tagesordnung eine der besten Scheiben der Skandinavier. Punkt. Wer auf konservativen Progressive Rock im Gedenken an frühe YES, ELP und GENTLE GIANT steht, kommt an FLOWER KINGS nach wie vor nicht vorbei. Nochmal Punkt.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.06.2012

Tracklist

  1. Numbers
  2. For The Love Of Gold
  3. Pandemonium
  4. For Those About To Drown
  5. Rising The Imperial

Besetzung

  • Bass

    Jonas Reingold

  • Gesang

    Roine Stolt, Hasse Fröberg

  • Gitarre

    Roine Stolt, Hasse Fröberg

  • Keys

    Tomas Bodin

  • Schlagzeug

    Felix Lehrmann

Sonstiges

  • Label

    Inside Out / SPV

  • Spieldauer

    54:00

  • Erscheinungsdatum

    15.06.2012

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