Der Name dieses Ensembles ergibt sich aus den Worten „foaie verde“ mit welchen viele Volkslieder in Rumänien beginnen sollen. Dorther stammt nämlich Sängerin Irina, die hier mit ihren Schweizer Instrumentalisten zum Teil die Folklore ihrer Heimat interpretiert, andererseits aber auch interessantes Eigenes zu Gehör bringt – mit einstweilen avantgardistischer Anmutung.
Das Traditional „Cine iubeste si lasa“ etwa wird zum Psych-Folk mit spleenig spukhafter Atmosphäre, die vom Diamanda Galas würdigen Gesang und dissonanten Klavierakkorden lebt. „Mult ma-ntreaba frunza-ngusta“ lässt sich hinterher ähnlich wie das großzügig mit Slides versehene „Haulita de la Gorj“ als osteuropäischer Akustik-Punk (strikte Achtel werden eingehalten) mit Free-Jazz-Dünkeln (harsche Trompeten-Schreie) deuten, wohingegen anderen Stücken ein Kunstlied-Charakter innewohnt, allen voran „Margine de Gând“ zu Beginn, aber auch die kurze Gedichtvertonung „Rêve sans fin“
Fast Ungenießbares (die lärmige „Interlude“) steht zudem einem zehnminütigen Erlebnis namens „Leagana-se frunza-n soare“ gegenüber, in dem sich alles vorige und spätere verdichtet, seien es Drone-Einflüsse in „Doina de Maria Lataretu“, die Schwerfälligkeit von „Horea frunzei verzi“ oder instrumentale Ruheoase wie „Nu-l dau pe azi pentru mâine“ und das finale „Thirteen Ways Of Looking At Blackbird“ (eigentlich ein Poem von Wallace Stevens). Hier sollte man ansetzen, um sich dieses wahrlich nicht einfache, aber lohnenswerte Hörerlebnis zu erschließen.
FAZIT: „Thirteen Ways“ wurde bereits 2010 eingespielt und stellt Folklore damals wie heute in ein gänzlich unromantisches Licht, GRÜNES BLATT sind stilistisch unfassbar, aber emotional nachzuvollziehen, wobei der Freund intimer, natürlicher Produktionen der Musik mit allen Wassern gewaschener Künstler auf ihre Kosten kommen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.11.2012
Dominique Girod
Irina Ungureanu
Urs Vögeli
Vera Kappeler
Nina Eleta (Geige), Matthias Spillmann (Trompete)
Unit / Harmonia Mundi
62:32
16.11.2012