Ok, Zeit für ein großes Coming Out: Der beste BLACK-SABBATH-Sänger ist für mich... Tony Martin. Das werden jetzt alle OZZY- und DIO-Fans natürlich nicht verstehen, aber insbesondere „Headless Cross“ hat auf ewig einen Platz im Herzen, mehr als jedes andere Sabbath-Album. Sei’s drum, eben jener Tony Martin macht bereits seit geraumer Zeit unter anderem gemeinsame Sache mit dem italienischen Gitarristen Dario Mollo. Unter dem gemeinsamen Banner MOLLO/MARTIN gibt’s jetzt mit „The Third Cage“ das – na? – dritte Album.
Wer jetzt erwartet, dass hier 08/15-Projekt-Hardrock in typischer Frontiers-Records-Manier kredenzt wird, der liegt gänzlich falsch. Zwar spielt klassischer Hardrock durchaus eine Rolle im Soundkorsett der italienisch-britischen Kollaboration, doch so mancher Track überrascht mit einer stilistischen Nähe zum modern angehauchten Power Metal. Der Opener „Wicked World“ beispielsweise, bei dem Martins Stimmbänder ganz ordentlich ran müssen, ist ein in dieser Dicke nicht erwartetes Brett.
Die riffbetonte, metallastige Seite ist aber nur eine Facette der Band. Noch eine ganze Spur stärker agieren MOLLO/MARTIN, wenn sie musikalisch deutlich dichter am Headless-Cross-Sound agieren. Wie beispielsweise auf „Cirque Du Freak“, „Oh My Soul“ oder „Still In Love With You“; die etwas tieferen Gesangspassagen passen besser zu Tony Martin, hier kann er seine warmen Stimme zu 100 Prozent passend ins Gesamtklangbild einbringen. Aber auch eher lässige Rocker wie „One Of The Few“ oder „Don’t Know What It Is About You“ bringt Martin souverän ins Ziel – auch dank der sensationellen Gesangsmelodien, die ihm Dario Mollo hier maßgeschneidert geliefert hat - obwohl man sich ein wenig schwer damit tut, herzschmerzgetränkte Texte anstatt latent Düsteres wie „When Death Calls“ aus dem Mund eines Tony Martins zu vernehmen.
Höhepunkt der Scheibe ist das abschließende „Violent Moon“, das sich nach einem verhaltenen Beginn zu einem hochdramatischen und intensiven Track steigert, der mit seinen eindringlichen Vocals und der exzellenten Gitarrenarbeit ein perfekter Abschluss des Albums ist.
FAZIT: Tony Martin zeigt, dass er trotz seines mittlerweile fortgeschrittenen Alters – der Gute ist bereits deutlich jenseits der 50 – immer noch wie ein junger Gott singen kann. Und Dario Mollo zeigt, dass er ein durch und durch ernstzunehmender Songwriter und Produzent ist – ganz zu schweigen von seinen Künsten als Gitarrist. Jeder, der „Headless Cross“ auch nur ansatzweise toll findet, muss hier zugreifen!
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.01.2012
Fulvio Gaslini
Tony Martin
Dario Mollo
Dario Mollo, Dario Patti, Brian War
Roberto Gualdi
Frontiers
52:03
20.01.2012