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Simon Kanzler, feat. Anna Webber: Talking Hands

Stil: Jazz

Cover: Simon Kanzler, feat. Anna Webber: Talking Hands

Die Macht der Stille. In den besten Momenten vermitteln der Berliner Vibraphonist SIMON KANZLER und seine Begleiter, allen voran, am Saxofon und seltener der Flöte, ANNA WEBBER, eine Ahnung davon.
Es sind die Pausen zwischen den klaren, meist kurzen Anschlägen, die für Spannung sorgen. Oder das Erzeugen von Stimmungen wie der gespenstische Beginn von „Shadows“ oder die kurzen „Silence“-Intermezzi. Hier wird die Präzision der Musiker zu einem kurzen Hauch am Saxophon, zum milden Schlag auf metallene Plättchen.

Obwohl das Tempo selten anzieht, ist „Talking Hands“ kein wohlgefälliges Album. Es knarrt und zischt und mancher Ton wird von seinem Nachfolger geradezu aus dem Weg geräumt. Wer das Vibraphon nur mit kleistriger Barbeschallung in Verbindung bringt, dürfte sich durch KANZLER eines Besseren belehrt sehen. Für die schrägsten und sprödesten Klänge ist allerdings ANNA WEBBER zuständig. Das rhythmische Duo Igor Spalati und Tilo Weber agiert präsent und passend, aber eher unauffällig im Hintergrund. Nur selten übernimmt Drummer Weber die Führung („Two Birds Flirt“).

Die Mischung aus Strenge und knapper Improvisation gelingt dem Quartett recht gut. Manchmal wirkt es aber zu steif, zu gewollt, zu kraftlos; dann verliert sich die Musik in Anstrengung und Beliebigkeit, und der geneigte Hörer wendet sich anderen Dingen zu. Doch das Album braucht Konzentration, es ist kaum geeignet zum lässigen Nebenbeihören.

FAZIT: Zwar eine Veröffentlichung von Unit Records mit leichten Schwächen, doch immer noch eine spannende Angelegenheit mit vielen Reibungspunkten sowie zahlreichen stimmungsvollen und eigenwilligen Skizzen. SIMON KANZLER möchte – laut Presse-Info und Homepage – „die Lebendigkeit der Improvisation im Jazz mit einer von der zeitgenössischen klassischen Musik beeinflussten Kompositionsweise“ verbinden. Das Pendel schlägt zwar weit in Richtung Jazz aus, aber das Bemühen ist alleweil spürbar. Doch genau dies ist ein Problem: „Talking Hands“ wirkt mitunter zu bemüht und verstrickt sich in hakeligem Herumtappen. Das verfliegt, wenn die Musiker scheinbar selbstversunken agieren wie im zweiteiligen „Shadows“ oder dem über achtminütigen „Slow Piece“. Dass sich das Quartett dabei nicht in beiläufigem Wohlklang verliert, gehört ebenfalls zu den Stärken von „Talking Hands“.

Punkte: 9/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.10.2012

Tracklist

  1. Catch The Fly
  2. Lost In Space
  3. Silence I
  4. Talk
  5. Shadows I
  6. Two Birds' Flirt
  7. In Motion
  8. Silence II
  9. Pitch-And-Toss
  10. Slow Piece
  11. Shadows II

Besetzung

  • Bass

    Igor Spallati

  • Schlagzeug

    Tilo Weber

  • Sonstiges

    Simon Kanzler (Vib.), Anna Webber (ts., fl.)

Sonstiges

  • Label

    UNIT Records

  • Spieldauer

    56:02

  • Erscheinungsdatum

    19.10.2012

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