„You came looking for something new“, lautet die erste Zeile, die Sänger Fred auf dem zweiten Album seiner Band THE DURANGO RIOT singt. Finden wird der Angesprochene selbiges hier jedoch nicht, denn was sich die Schweden von Joe Barresi klangveredeln ließen, strotzt vor bekannten, mitunter auch abgegriffenen Gesten.
Dass „Backwards Over Midnight“ dennoch gelingt, liegt am spritzigen Spiel der Musiker und der edlen Produktion. So wirken Ohrwürmer wie „Everybody's Got To Go“ mit Ian-Astbury-Raunen oder die „The“Band-Blaupause „Neighbours“ einigermaßen frisch und bereiten Freude, wo die Platzhalter-Texte weitgehend kaltlassen. Wo das Titelstück sowie „I'm Coming Over“ eher austauschbar im Indie-Kontext schwelgen und „Shiny Season“ zu spät mit Bläsern aus den Puschen kommt, überrascht „A Last Look“ als leichtfüßiger Classic-Rocker mit triumphalem Chorus und geilem Solo.
THE DURANGO RIOT haben etwa mit IMPERIAL STATE ELECTRIC (an die erinnern „Your Rags, My Riches“ und „Do It Like a Fiend“) wesentlich beseeltere Konkurrenten in der unmittelbaren Nachbarschaft am Start und bedienen hiermit letztlich zu viele Sparten, ohne einen eigenen Charakter hervorzukehren. Irgendwie klingt auch „Realdogs“ rechts stylish, und zu „Gone South“ darf man Tango tanzen, aber ohne mehr verbindliche Stücke und echte Inhalte wird es die Band schwer haben, zu langfristig coolen Säuen zu werden.
FAZIT: Für Fans von spielerisch gewieften und energetischen Indie Rock im weitesten Sinn sind THE DURANGO RIOT eine testenswerte Band. Dies ändert aber nichts daran, dass sich die Kürzel BRMC oder QOTSA wesentlich markiger lesen als TDR. Dass man bei 38 Minuten Längen verzeichnet, ist kein gutes Omen.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.09.2012
Håkan Ficks
Fred Andersson, Jacob Martinsson
Fred Andersson, Jacob Martinsson
Erik Sjökvist
Ninetone / Sony
37:59
28.09.2012